/ Wort zum Tag

Liebe – leicht gemacht

Günter-Helmrich Lotz über Johannes 15,9.

Bibelvers

Jesus spricht: Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe!

Johannes 15,9

„Gott ist die Liebe, lässt mich erlösen, Gott ist die Liebe, Er liebt auch mich.“ Das war lange ein Ohrwurm bei vielen Christen. Den konnte man bei jeder Gelegenheit abrufen, um gemeinsam zu singen.

Wenn Gott Liebe ist, wen hat er dann eigentlich geliebt, bevor er die Menschen erschaffen hat?

Lieben kann man ja nur, wenn jemand da ist zum Lieben. Diese Frage führt uns an das Geheimnis des dreieinigen Gottes. Gott, der Vater, liebt von Ewigkeit den Sohn. Gott ist eine Gemeinschaft der Liebe. Darum sagt Jesus im Hohepriesterlichen Gebet: „du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war“ (Joh 17,24b).

Im Johannesevangelium spricht Jesus über eine Auswirkung davon: „Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe!“ (Joh 15,9)

Dass Gott, der Vater, seinen Sohn Jesus liebt, ist nachzuvollziehen. Denn Jesus war heilig wie der Vater und ehrte ihn beständig. Er bewegte sich nie außerhalb des Willens Gottes. Die Überraschung ist, dass Jesus seine Jünger mit derselben Liebe liebt, wie der Vater den Sohn liebt. Und das, obwohl wir nicht heilig sind. Und Jesus knüpft die Aufforderung an: Bleibt in meiner Liebe. Wie kann das denn gehen? Auch dafür gibt Jesus im Folgenden eine Erklärung: „Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich meines Vaters Gebote gehalten habe und bleibe in seiner Liebe.“

Das hört sich jetzt eher wieder anstrengend an. Gebote halten, das hatten wir doch schon mal und es war irgendwie schwierig. Aber Jesus sieht das anders und erlebt das anders. Er fügt hinzu:

„Das habe ich euch gesagt, auf dass meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch liebe“ (Joh 15,11-12).

Aha, um die Liebe geht’s beim Gebot. Dann ist das vielleicht gar nicht so anstrengend. Und natürlich, wo die Liebe herrscht, kommt Freude auf. Jesus will uns damit Freude vermitteln, wenn er uns zum Lieben anstupst.

Okay, wenn wir ehrlich sind, wissen wir, dass unsere Reserven an Liebe schnell erschöpft sein können. Sei es, dass wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind oder andere uns nun wirklich nicht als liebenswert erscheinen.

Auch dazu lässt sich aus dem Hohepriesterlichen Gebet noch etwas Entscheidendes mitnehmen. Jesus betet dort: „ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen“ (Joh 17,26).

Jesus sieht voraus, dass die göttliche Liebe in das Herz seiner Jünger gelegt wird. Das heißt, wir müssen nicht einfach aus eigener Kraft lieben, sondern Gott beschenkt uns mit der Kraft seiner Liebe. Der Apostel Paulus war von dieser Liebe getrieben und erklärte das so: „die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Röm 5,5).

Wer zu ermessen vermag, wie sehr er geliebt und mit Liebe beschenkt ist, für den liebt es sich leichter. Wer möchte darauf verzichten?



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Kommentare

Von Ruth N. am .

Danke, sehr spannend und anrührend. ;-)


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