/ Wort zum Tag

Wie sieht Frieden aus?

Erika Best-Haseloh über 1. Korinther 7,15.

Ein König schrieb einen Preis aus. Er lud Künstler ein, ein Bild des Friedens zu malen. Er wollte das beste Bild prämieren. Viele Künstler hatten sich beteiligt, aber nur zwei Bilder wählte der König zur Entscheidung aus.

Das erste Bild zeigte einen ruhigen See, in dem sich die Berge und blaue Wolken spiegelten, die Sonne schien, Vögel zogen ihre Bahn. Alle Betrachter verbanden dieses Bild mit Frieden. Das zweite Bild zeigte Berge, sie waren zerklüftet, rau und kahl. Graue Wolken waren am Himmel, Regen fiel, Blitze zuckten. Und ein Wasserfall, dessen Tosen fast zu hören war, war zu sehn. Hinter dem Wasserfall war ein kleiner, winziger Busch gezeichnet, der auf der zerklüfteten Felswand wuchs. Darin hatte ein Vogel sein Nest gebaut – und an diesem unwirtlichen Ort brütete ein Vogel.

Der König wählte das zweite Bild aus mit der Begründung: Lasst Euch nicht von schönen Bildern in die Irre führen. Frieden braucht es nicht dort, wo es keine Probleme und keine Kämpfe gibt. Wirklicher Frieden bringt Hoffnung und Ruhe unter schwierigsten äußeren Umständen.

Welches Bild vom Frieden hätten Sie gemalt?

Denkt daran, dass Gott euch zu einem Leben im Frieden berufen hat. So lautet der Bibelvers aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 7. (NGÜ) Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth. Er gibt Erläuterungen zum Umgang mit Scheidung. Fast am Ende dieses Absatzes steht dieser Ausspruch, dass wir nicht vergessen sollen, dass wir zu einem Leben im Frieden berufen sind.

Paulus gibt noch spezielle Hinweise für Verheiratete, deren Ehepartner nicht an Christus glauben. Es sind hilfreiche Empfehlungen für die Gestaltung einer funktionierenden Partnerschaft. Wer in einer Ehe mit einem ungläubigen Partner lebt, kennt die großen Herausforderungen, die oftmals schwer zu meistern sind. Aber gute Kontakte zu Christen in Gemeinden oder Hauskreisen können zum Gelingen der Ehe beitragen. Eine professionelle Begleitung durch christliche Lebensberatung kann ebenfalls eine positive Auswirkung auf das Glücken einer Partnerschaft haben. Wenn der nichtgläubige Partner aber auf einer Trennung besteht, dann sollte der gläubige Partner ihn freigeben. Mit Gottes Frieden im Herzen kann es ein friedlicher Abschied werden.

Das gilt auch für die vielen unterschiedlichen Beziehungen, in denen jeder von uns lebt. Es gibt ganz lockere Beziehungen, wo es nur wenige Berührungspunkte gibt. Wie zum Beispiel in der Nachbarschaft, im Sportverein oder am Arbeitsplatz. Da lässt es sich leicht sagen: Wir leben im Frieden, denn es herrscht kein Streit.

Aber je enger unsere Beziehungen sind, umso schneller gibt es Meinungsverschiedenheiten, Auseinandersetzungen, Unstimmigkeiten und Konflikte. Was hilft mir dann, Frieden zu stiften? Ich erlebe, dass der Weg zum Frieden oft sehr mühsam ist. Es gibt Rückschläge, Vorurteile, Nichtverstehen, ja, auch Streit, Hass und Verzweiflung. Frieden ist nicht das Ergebnis eines Sieges. Kein Endzustand, sondern ein fortschreitender Prozess und das Ergebnis vieler Entscheidungen.

Und trotz aller Bemühungen können Freundschaften zerbrechen, Nachbarn sich distanzieren und Hauskreisteilnehmer sich verabschieden. Dann möchte ich es schaffen, diese Menschen im Frieden gehen zu lassen. Das kann gelingen, wenn ich mich versöhne mit dem, was war, was ist und dem, was kommt. Dass ich nicht beunruhigt bin durch all das, was geschehen ist oder was ich versäumt habe. Und auch nicht darüber resigniere, dass es wieder Versäumnisse und Versagen in meinem Leben geben wird. Ich lege mein ganzes Leben vertrauensvoll in Gottes Hände und erlebe, wie der Friede in mein Herz einzieht. Er prägt meine Gedanken und beeinflusst meine Lebensgestaltung.

Und dann kann es geschehen, dass ich auch unter schwierigsten Umständen und größten Herausforderungen ruhig und gelassen bleibe. Dann wird mir Gott diesen Frieden schenken, der mir die Kraft und den Mut gibt, den Herausforderungen meines Lebens gewachsen zu sein. Und dann wird sich bewahrheiten, was der Liedtext von Manfred Siebald beschreibt:

Der Friede Gottes will in dir beginnen;

Du brauchst nicht lange, bis du es entdeckst:

Was Gott in dich hineinlegt, bleibt nicht innen,

Friede, der nach außen wächst.



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Kommentare

Von Inge B. am .

Liebe Erika Best-Haseloh
Ich habe heute Morgen Ihr Wort zum Tag gehört und danke ihnen. Ich habe schon langere Zeit ein Problem mit meinem Sohn und suche vergeblich nach Frieden. Es gibt immer wieder Rückschläge auf dem Weg zum Frieden. Nachdem alle Bemühungen vergeblich sind , möchte ich Gott bitten ihn im Frieden gehen zu lassen und mich mit dem versöhnen was war, was ist , und was kommt . ich lege mein Leben vertrauensvoll in Gottes Hände und hoffe dass Friede bei mir einzieht.
vielen Dank für Ihre Worte !

Von Walther W. am .

Guten Morgen, Moinmoin!
Vielen Dank für's hilfreiche Wort zum Tag.
Erlebe selbst, wie anstrengend und marathon-mäßig das ist, in der Familie, in der Gemeinde, im alltäglichen Umgang auf der Straße, beim Einkaufen oder in Gospelstrukturen, und, last but not least, im eigenen Seelenleben..


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