/ Wort zum Tag

Nicht lange fackeln

Luitgardis Parasie über Prediger 9,10.

Bibelvers

Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.

Prediger 9,10

Was mir Mitte März vor die Hände kommen würde, hatte ich mir im Traum nicht ausmalen können: Wir mussten bis zum 19.4. alle Gottesdienste absagen. 19.4.: An dem Sonntag hätten wir Konfirmation gefeiert in unserer Dorfkirche. Vor genau 10 Tagen. Aber nein: Abgesagt, wegen Corona. Viele Konfis und einige Mütter haben geweint.

Von einem auf den anderen Tag ist unser Leben aller Sicherheiten beraubt. Vieles ist weggebrochen, was Menschen vertraut und lieb ist. Ostern ohne Gottesdienst - unfassbar. Christen freuen sich, dass Jesus auferstanden ist und den Tod besiegt hat. Doch sie konnten nicht gemeinsam Gott loben, sondern jeder musste alleine vor dem Fernsehgottesdienst hocken.

Was war Gottes Auftrag für uns in dieser Situation? Es gab ja tatsächlich genug virtuelle Angebote für Ostersonntag im Netz. Aber alle weit weg. Vom Bischof, gut und schön. Was den Menschen aber fehlte, waren persönliche Beziehungen. Nähe. Meine Kollegin und ich dachten: Zumindest sollen die Leute aus unseren Dörfern einen Gottesdienst aus ihrer Kirche sehen, mit ihren Pastorinnen. Und so haben wir in unserer St. Martini-Kirche in Langenholtensen bei Northeim einen Gottesdienst aufgenommen und Ostern online gestellt.

Auch andere kreative Ideen brachten uns zusammen. Christen aus unserem Dorf haben sich abends um 19 Uhr zum Balkonsingen verabredet. Bei geöffnetem Fenster oder auf Balkon oder Terrasse singen wir alle gleichzeitig das tröstliche Abendlied von Matthias Claudius: Der Mond ist aufgegangen. Manche spielen es auch auf dem Akkordeon, der Trompete oder mit der Gitarre. Der Text ist so passend, etwa die zweite Strophe:

"Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold, als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt." – Nicht sich im Bett herumwälzen und grübeln, sondern des Tages Jammer verschlafen und vergessen. Einfach weg damit. Denn Gott hält die Welt und mein Leben in Händen und wird sich darum kümmern, um des Tages Jammer. - Und all meine Lieben, die Brüder und Schwestern und die Nachbarn sind in der letzten Strophe mit eingeschlossen: "So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder, kalt ist der Abendhauch. Verschon uns Gott, mit Strafen, und lass uns ruhig schlafen, und unsern kranken Nachbarn auch."

Zu Ostern gab es übrigens noch eine andere Idee. Die hat z. B: Christina umgesetzt. Schon ein paar Wochen vorher hatte sie ihre Trompete nach langem Winterschlaf entstaubt und wieder angefangen zu üben. Am Ostersonntag um 10 Uhr hat sie sich auf ihre Terrasse gestellt und hat es laut ins Dorf hinausgeblasen: Christ ist erstanden. Des wolln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. – Sie sagt: Ich wurde auch selber froh, als ich das gespielt habe. Mir wurde neu bewusst: Christus ist stärker als der Tod und als die Bedrohung, die uns gerade umgibt.

"Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu", sagt der Prediger Salomo. Man könnte auch sagen: Alles, was dir in den Kopf kommt an Mut machenden Impulsen und helfenden Ideen, das setz um.

Eine Mitarbeiterin schickte neulich in unsere Kirchen-Whatsappgruppe ein Gedicht, da hieß es: Sonne ist nicht abgesagt, Liebe ist nicht abgesagt, Hoffnung ist nicht abgesagt, Beten ist nicht abgesagt. Und dann schrieben die Gruppenmitglieder diesen Text weiter: Freude ist nicht abgesagt, Glaube ist nicht abgesagt.

Ja, und was unsere Konfirmation angeht, die ist auch nicht abgesagt. Sie wird nur verschoben. Irgendwann werden wir einen grandiosen Gottesdienst und ein rauschendes Fest feiern.


Kommentare

Von Ingrid M. am .

Ich treffe aber auch immer wieder Menschen,die mit dem Fernsehgottesdienst zufrieden sind.
Nicht jeder trifft im Gottesdienst seine besten Freunde, sondern einfach Menschen ,meist ältere,vom Dorf.Für viele Familien ist Gottesdienst auch Stress,und sie kommen nicht.Sonntags möchte man nicht auch noch den Zeit Stress,den man unter der Woche hat.
Nun vielleicht kommen jetzt wieder so viele wie sonst nur an Weihnachten,weil sie Seelsorge brauchen oder einfach mal das Haus verlassen möchten.

Von Rudi S. am .

Ich kann nicht alles, aber das soll mich nicht hindern, das zu tun was ich tun kann. Gott ist da und er geht mit.

Von Walter H. am .

Vielen Dank für Ihren Beitrag

Von Sylvia V. am .

Liebe Luitgardis Parasie,
vielen herzlichen Dank für diesen Satz: "Alles, was dir in den Kopf kommt an Mut machenden Impulsen und helfenden Ideen, das setz um."
Ich habe das in den letzten Jahren immer mehr geübt und konnte Gott darin so oft erleben und selbst eine tiefe, innere Freude spüren.
In den letzten Wochen hatte ich eine "größere" Idee, die nicht so leicht umzusetzen ist. Ihre Aussage, gerade heute im richtigen Augenblick, hat mir Mut gemacht, dranzubleiben und darauf zu vertrauen, dass unser himmlischer Vater die Dinge dazugibt, die unsere Möglichkeiten übersteigen.

Von Lothar F. am .

Ach, was für ein erfrischender, fröhlicher u. mitmachender Impuls zu dem Bibelwort u. dazu noch der ganz aktuelle Bezug zu unserer gegenwärtigen Lage.
Vielen Dank u. liebe Grüße aus Leipzig


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