/ Wort zum Tag

Gottvertrauen

Ulrike Treusch über Hebräer 10,35.

Bibelvers

Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

Hebräer 10,35

In jedem Leben gibt es gute Zeiten und schlechte Zeiten. „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, so heißt auch eine Seifenoper, die schon seit 1992 im Privatfernsehen ausgestrahlt wird und als bekannteste deutsche Fernsehserie gilt. Dabei zeigt die Serie eigentlich nichts Besonderes. Sie zeigt das Leben von jungen Menschen, die erwachsen werden mit allen Höhen und Tiefen von der ersten Liebe über Schwierigkeiten im Arbeitsleben bis zur Erfahrung von Krankheit und Tod. Das ganz normale Leben mit Höhen und Tiefen, und es ist kein Zufall, dass die Serie in Frankreich „Im Rhythmus des Lebens“ (Au Rythme de la Vie) heißt.

Wenn der Rhythmus des Lebens eines Menschen aber ein Auf und Ab ist, dann erlebt jeder Mensch zwangsläufig neben guten auch schlechte Zeiten. Das zu wissen bedeutet aber leider noch nicht, dass es uns leichter fällt, mit schlechten Zeiten umzugehen, schon gar nicht, wo wir sie als bedrängend oder gar lebensbedrohlich erfahren.

Unser Bibelwort spricht in eine solche lebensbedrohliche Situation hinein, und das Bibelwort will Mut machen. Es steht im Hebräerbrief, im 10. Kapitel, Vers 35: „Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.“

„Werft euer Vertrauen nicht weg“, das schreibt der Autor des Hebräerbriefs an eine uns unbekannte Gemeinde, und er hat es wohl nicht nur geschrieben, sondern vielleicht schon im Gottesdienst gepredigt und verkündigt. Der Prediger fordert seine Gemeinde auf: „Werft euer Vertrauen nicht weg“, habt Glaubensmut, haltet durch!

Ist das nicht leichter gesagt als getan?

Die Gemeinde, zu der er spricht, erlebt gerade eine Verfolgung, weil sie sich zum christlichen Glauben bekennt. Das waren wirklich schlechte, ja, lebensbedrohliche Zeiten. In dieser Situation erinnert der Prediger seine Gemeinde daran, dass sie schon schwierige Zeiten der Verfolgung durchgestanden hat. Wer sich damals im Römischen Reich öffentlich zu Jesus Christus bekannt hatte, der hatte schon erfahren, wie es ist, in der Öffentlichkeit beschimpft und misshandelt zu werden (V. 33), war vielleicht schon im Gefängnis gewesen für seinen Glauben (V. 34) oder ihm wurde sein Besitz weggenommen, weil er Christ war (V. 34). All das haben die Christen in der Gemeinde schon erlebt und mit Gottes Hilfe überlebt. Daran erinnert der Prediger sie nun.

Weil sie schon so viel Schwieriges erlebt und mit Gottes Hilfe durchgestanden haben, ruft er seiner Gemeinde nun zu: „Werft euer Vertrauen nicht weg!“ Die Gemeindeglieder sollen festhalten am Vertrauen - am Vertrauen auf Gott.

Wo ich vertraue, da werde ich nicht auf mich selbst zurückgeworfen und muss mich nicht selbst zusammenreißen und aus der Tiefe ziehen. Wo ich vertraue, da vertraue ich auf einen anderen, auf Gott. Das Bibelwort heißt dann nichts anderes als „vertraut auch weiterhin auf Gott“. Auf den Gott, der bisher schon mit seiner Gemeinde durch die Höhen und Tiefen des Lebens gegangen ist. Auf den Gott, der alles und alle in seiner barmherzigen Hand hält. Das ist Gottvertrauen.

Was der Autor des Hebräerbriefs vor knapp 2000 Jahren seiner Gemeinde gepredigt hat, ist zeitlos gültig. Denn unser Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat und der seinen Sohn für uns in diese Welt geschickt hat, er ist ein ewiger Gott und was er verspricht, das hält er auch.

Deshalb finden wir in der Bibel immer wieder die Aufforderung „vertraut auf Gott“ oder „verlasst euch auf den Herrn“ und wir finden Zeugnisse von Menschen, die auf Gott vertraut haben und mit ihm durch die Tiefen ihres Lebens gegangen sind. Jörg Swoboda und Theo Lehmann haben das in einem Lied so ausgedrückt: „Auch mit Gott gerät man in Krisen, Probleme, die unfassbar sind. Trotz aller Zweifel seid dennoch gewiss: Er schläft nicht und sorgt für sein Kind. Vertraut auf den Herrn für immer, denn er ist der ewige Fels.“ – Das wünsche ich Ihnen heute, gerade in schlechten Zeiten.


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