/ Wort zum Tag

Abschließende Ermahnungen

Lothar Leese über 1. Korinther 16,13.

Im E-Mail-Zeitalter kennen viele kaum noch handgeschriebene Briefe. Sie haben eine ganz persönliche Note. Vielleicht erinnern Sie sich noch an einen Brief, den Sie geschrieben haben und an Ihre Überlegungen, wie Sie den Brief abschließen.

Was kommt am Schluss eines Briefes? Vielleicht ein zukünftiger Besuchstermin, bei dem man sich wieder mündlich austauschen kann und dann natürlich die persönlichen Grüße. So ähnlich ist das auch in dem Brief des Völkermissionars Paulus an die Gemeinde in Korinth. Er war mit dieser griechischen Gemeinde sehr verbunden, schließlich hat er sie gegründet.

Im ersten Jahrhundert gab es in Korinth das, was wir heute eine „pluralistische Gesellschaft“ nennen. In der Handels- und Hafenstadt gab es verschiedene religiöse Weltanschauungen und moralisches Chaos. Die junge christliche Gemeinde war sehr dynamisch, aber auch geprägt von ihrer Zeit und hatte viele Probleme. Daraufhin hat Paulus einen langen Brief an die Gemeinde geschrieben. Er umfasst in der Bibel 16 Kapitel.

Und nun kommt er zum Schluss. Aber zwischen Reiseplänen und Grüßen steht unvermittelt der Vers 16, der es in sich hat. Zum Schluss will Paulus noch einmal deutlich machen, was wichtig ist. Fast wie ein General seinen Soldaten Befehle erteilt, so spricht  Paulus vier klare Aufforderungen aus: „Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!“

Mit diesen vier konkreten Anweisungen macht der Gemeindegründer den Christen bewusst, dass sie in einem geistlichen Kampf stehen. Diesen Kampf können sie nur gewinnen, wenn sie wie Soldaten wachsam sind, im Glauben fest stehen, mutig und stark sind. Die militärische Sprache mag uns seltsam erscheinen im Zusammenhang mit dem Glauben an Jesus Christus. Aber Paulus macht hier - wie auch in anderen Briefen - deutlich, worauf es beim Christsein ankommt:

  1. Wach sein, nicht schlafen
  2. Stehen, nicht fallen
  3. Mutig, nicht feige sein
  4. Stark, nicht schwach werden

Der Aufruf zum Wachen meint mehr als eine allgemeine Wachsamkeit, wie sie bei jedem Teilnehmer im Straßenverkehr vorhanden sein sollte. Wachen – das weist auf das Ziel hin, auf den Tag des Herrn, wenn Jesus wiederkommt. Jesus hat seinen Jüngern bereits gesagt: „Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.“ (Mt 24,42)

Als Jesus im Garten Gethsemane sich kurz von seinen Jüngern trennt, um zu beten, findet er sie danach schlafend und ermahnt sie: „Könnt ihr nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallet.“ (Mt 26, 40b-41a)

Im Glauben stehen ist keine Selbstverständlichkeit. Im selben Brief schreibt Paulus auch an die Korinther: „Wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle.“ (1.Kor. 10,12) Deshalb ermutigt Paulus, fest zu dem Glauben zu stehen und so auf dem Fundament zu bleiben, das durch Jesus Christus gelegt ist (1.Kor. 3,11). Allein der Glaube an Jesus trägt sie durch alle Schwierigkeiten hindurch.

Die Aufforderung, „mutig und stark“ zu sein finden wir schon im Alten Testament, übrigens auch im militärischen Zusammenhang. Der Feldhauptmann Joab richtet diesen doppelten Befehl an seinen Bruder Abischai (2. Samuel 10,12), Und der König David ermuntert am Ende von Psalm 27, auf den Herrn zu vertrauen und dabei mutig und stark zu sein. Aber mit der Aufforderung, mutig und stark zu sein, ist kein Heldenmut gemeint, sondern der Glaube an Jesus Christus, der den Christen Mut gibt und stark macht durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Das ist die Kraft, die „in Schwachen mächtig“ ist (2. Kor. 12,9). Auch bei allen Herausforderungen des heutigen Tages gilt:

„Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!“



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