/ Wort zum Tag

Wo finde ich Gott?

Georg Gremels über Psalm 27,5.

Bibelvers

Der HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes.

Psalm 27,5

„Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, / er birgt mich im Schutz seines Zeltes.“ (Psalm 27,5).

Böse Zeiten – von ihnen weiß der Beter des 27. Psalms ein Lied zu singen. Übeltäter bedrängen ihn, die ihm schaden wollen. Widersacher und Feinde stehen gegen ihn auf, die ihm das Leben schwermachen. Doch getrost wendet er sich an Gott im Gebet: Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, / er birgt mich im Schutz seines Zeltes.

Aber wohin kann ich gehen, wenn ich bedrängt werde? Der Psalmbeter geht in seiner Erinnerung weit zurück, bis in die Urzeiten Israels. Damals errichtete Mose die Stiftshütte, das heilige Zelt, in dem Gott sein Volk während der Wanderung durch die Wüste bis ins gelobte Land begleitete. Dort fanden sie Schutz vor den bösen Stürmen des Lebens. Dort gab er ihnen im heiligen Zelt Geborgenheit. Daran erinnert sich der Psalmbeter!

Aber warum greift er so weit zurück in seiner Erinnerung? Wäre es nicht einfacher gewesen, sich der Gegenwart Gottes jetzt zu vergewissern? Ihn fasziniert das Wüstenheiligtum, weil es das Volk durch wüste Zeiten begleitet hat. Und damit bin ich mitten in meinem heutigen Leben angelangt. Denn wo finde ich heute die Schutzhütte Gottes? Wo wird er mir sein Zelt in böser Zeit aufschlagen? Die Kirche oder das Gemeinschaftshaus können nicht gemeint sein, denn sie stehen „festgemauert in der Erden“.

Wo kann ich sein heiliges Zelt finden, das mich vor drohendem Unglück bergen kann? Seine Hütte steht in mir! Gottes Zelt ist mein Herz. Das erinnert mich an mein Kindergebet. Meine Mutter sprach es mit mir, als ich noch klein war: „Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein!“ Mein Herz, das ist seine Hütte und sein Zelt, in dem er selbst, Jesus, gegenwärtig wohnt und mich auf allen meinen Wegen begleitet.

Gott in meinem Herzen? Wie kann das gemeint sein? Vom Herzen reden wir symbolisch und doch zugleich wörtlich. Denn mein Herz schlägt inmitten meines Körpers, lebenslang. Solange es pocht, bin ich noch da. Ich lebe! Wenn mir etwas nahekommt, geht es mir zu Herzen. Ich kann mich von Herzen freuen, wenn ich meine Frau in den Arm nehme. Ich kann aber auch im Herzen tief betrübt sein über den Tod eines lieben Freundes. Und wenn meine kleine Enkelin zu Besuch kommt, dann drücke ich sie fest an mein Herz. Manchmal klopft mir das Herz bis zum Halse, wenn ich gerade mit knapper Not einen Autounfall habe vermeiden können. Und manchmal geht mein Herz auch in Sprüngen, wie Paul Gerhard dichtet, weil ich mich an diesem so gelungenen Tag in Gott freuen kann.

Dort im Herzen, wo meine Liebe, meine Gefühle meine Sehnsucht wohnen, dort ist auch er zuhause, mein Herr und mein Gott. Aber da genau brechen in mir Zweifel auf. Wo bleibt denn der Herr, wenn Sorgen um meine Gesundheit mein Herz bedrücken? Ich spüre nichts von seinem Schutz, wenn ich mich um mein Kind im Ausland ängstige. Warum beruhigt er mein Herz nicht, wenn mich berufliche Probleme umtreiben? Wo ist er dann, der Herr, in der Hütte meines Herzens, der doch in meinem Inneren zeltet?

Dabei bin ich auf ein alte Wahrheit Philipp Jakob Speners gestoßen, einer der Gründer des Pietismus. Er meint: Wenn Ängste dich umtreiben, wenn Sorgen dich quälen, wenn Schweres dein Herz aufwühlt, dann bist Du noch zu sehr in deinem Kopf. Gott aber wohnt in der Tiefe deines Herzens. Dahin gilt es hinabzusteigen! Wie das geht? Ich will ihn in der Hütte seines Wortes aufsuchen. Ich will mir den ganzen Psalm 27 vornehmen, bis ich spüre, wie mein Herz im Durchbeten ruhiger wird. Oder rufe ich eine liebe Freundin, einen Freund an und spüre, wie mir mein Herz leichter wird? Oder finde ich ihn in mir auf einem langen Spaziergang und erfahre ihn dann in der Hütte meines Herzens und im Zelt meiner Seele?



Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Kommentare

Von Daniele J. am .

Ich freue mich jeden Morgen an den Andachten, die einen guten Einstieg für den Tag sind .Gut dass es ERF gibt !!!!

Von Hedi K. am .

Ich kann mich den Worten von Rainer nur anschließen. Danke, dass ihr Kommentare veröffentlicht, ich fühle mich dann nicht so allein.

Von Erwin D. am .

Hier wird ein allgemeines Problem angesprochen. Mit dem Verstand glauben wir aber zweifeln trotzdem im Herzen. Wir sehen nicht die Segnungen die wir empfangen und sehen oft nur unsere Probleme und Sorgen. Wir sind und undankbar und sagen in Nöten: "wo ist denn Gott? Lässt er mich vergehen?" All die Jahre musste ich keine materielle Not leiden und habe doch Angst in diese zu gelangen. Fühle mich hilflos und allein. Denke, wie lange wird es noch gut gehen? Ich habe ein Herzensproblem. Mein mehr

Von Rainer am .

Vielen Dank für die so kraftvollen und mutmachenden Worte unseres Vaters im Himmel.


Das könnte Sie auch interessieren