/ Wort zum Tag

Sehnsucht nach mehr

Jens Brakensiek über 2. Korinther 5,19.

Bibelvers

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

2. Korinther 5,19

Vielleicht hatten manche nur wegen der Regie von Mel Gibson das Kino aufgesucht. Aber vielleicht war da bei manchen auch eine versteckte Sehnsucht nach mehr, vielleicht sogar nach einer Antwort auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens. Am Ende des Films „Die Passion Christi“ war im Kino eine ungewohnte Atmosphäre.

Sonst steht ja das Publikum während des Abspanns schon auf und verlässt - sich angeregt unterhaltend - das Kino. Jetzt war es anders. Die meisten blieben sitzen. Eine Stille der Betroffenheit oder des Nachdenkens lag über dem Kinosaal. Für mich hatte diese Stille aber auch etwas Lähmendes. Ich meine, die Zuschauer spürten, dass das Leiden Christi etwas mit ihnen persönlich, ihrem Leben, zu tun hat. Aber sie wussten nicht, was! Da schien die Frage im Raum zu stehen: was sollen wir jetzt tun? – Und niemand gab darauf Antwort.

Es war darum gut, dass damals draußen vor dem Kino Christen der Evangelischen Allianz ein Gesprächsangebot machten. Da wurde darüber weiter nachgedacht und gesprochen: Was bedeutet der Kreuzestod von Jesus Christus für meinen Alltag, mein Verhalten, meine Einstellungen?

Zu dieser Frage gibt der Apostel Paulus in seinem zweiten Korintherbrief ein wichtiges Stichwort: Versöhnung. Er fragt: Wenn du willst, dass Versöhnung unter den Menschen geschieht, bist du dann zuvor auch bereit, dich der Kraft der Versöhnung zu öffnen, die vom Kreuz ausgeht?

Es gibt so viel Unversöhnlichkeit. Ich mache dabei die Beobachtung: Es geht oft gar nicht um den aktuellen Streit. Es geht um das Herz der Menschen, um ihre Grundhaltung. Es geht oft letztlich gar nicht um die Versöhnung mit anderen Menschen, sondern um die Versöhnung mit dem eigenen Leben, mit der eigenen Wegführung und dem inneren Streit um den Sinn des Lebens. Es geht eben zunächst um die Versöhnung mit Gott. Jesus starb am Kreuz, um diese Versöhnung zu bewirken und sie uns Menschen ins Herz zu pflanzen. Paulus beschreibt es so: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“

Aber Versöhnung ist nur möglich durch Klärung von Beziehung. Stellen Sie sich vor, Sie wollen sich mit einem Menschen, mit dem Sie im Streit liegen, versöhnen. Sie sind aber nicht bereit, nach Ihrem eigenen Anteil an der verfahrenen Beziehungskiste zu fragen. Ich muss wohl kein Prophet sein, um voraussagen zu können, dass dann aus der Versöhnung letztlich selten etwas wird. Aber gehen wir oft nicht ähnlich mit Gott um? Wir meinen vielleicht, Vergebung sei eben sein Geschäft und wollen uns im Gottesdienst unsere Portion religiöse Seelenpflege abholen. Aber Versöhnung mit Gott ist nicht möglich ohne die Erkenntnis und das Bekenntnis dessen, was gegen Gottes Willen spricht und mich von ihm trennt.

Darin besteht das Versöhnungswerk Christi ja gerade, dass er für unsere Sünde starb. Am Kreuz klärte Jesus unsere Beziehung zu Gott. Jesu Tod am Kreuz bedeutet: Weil wir nicht zu Gott kommen können, kommt er zu uns. Gott mischt sich ein in diese Welt. Das tut er ohne jede Vergewaltigung unserer Person. Denn er handelt in Liebe. Die Liebe aber tut dem Menschen keine Gewalt an. Der allmächtige Gott ist darum ein Bittsteller der Versöhnung. Er bittet uns: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Versöhnung unter Menschen ist ohne Worte nicht denkbar. Das ist auch bei Gott so.

Gott hat sein endgültiges Wort der Versöhnung gesprochen. Es ist das Wort vom Kreuz. Es gilt, weil es geschehen ist.

Das Wort von der Versöhnung stellt eine neue Wirklichkeit in den Raum einer Welt. die von Gott nichts wissen will. Als Liebeswort an diese Welt ist es ein Gegenwort gegen Eigensucht, Hass und Gewalt. Das ist ein Anstoß, der nicht zu vermeiden ist. Aber im Hören und Annehmen dieses Wortes liegt für alle Menschen das Heil.

 



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