/ Wort zum Tag

Frieden schaffen ohne Waffen

Silke Stattaus über Epheser 2,17.

Noch heute klingt es in meinen Ohren, das gut gemeinte, aber nicht gemochte „Liebevoll!“ meiner Großmutter. Meine Schwestern und ich haben sich mal wieder so richtig gestritten. Ist ja auch mal nötig unter vier Schwestern. Und dann ertönt aus dem Stübchen unserer geliebten Großmutter dieses verhasste „Liebevoll!“.

Jahre später macht ein ganz anderer Slogan zum Thema „friedlich leben“ die Runde:

„Frieden schaffen ohne Waffen“! Rainer Eppelmann und Robert Havemann verbreiten ihn im Jahr 1982 in der damaligen DDR. Sie wollen damit die Mächtigen aufrütteln, Atomwaffen zu vernichten und aus Europa eine atomwaffenfreie Zone zu machen.

Und heute lese ich im Brief, den Paulus an die Christen in Ephesus schreibt:

„Jesus Christus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündet.“

Irgendwie klingt dieser Vers leise. Ganz anders als die Parole „Frieden schaffen ohne Waffen“, wo ich in der Ferne ja schon die Säbel rasseln höre.

Evangelium heißt „Friedensbotschaft“, wie ich es in der Übersetzung „Hoffnung für alle“ lese.

„Jesus Christus ist gekommen und hat seine Friedensbotschaft allen gebracht: euch, die ihr fern von Gott gelebt habt, und allen, die nahe bei ihm waren.“

Jesus ist also gekommen und lädt mit seiner Friedensbotschaft ein, mit Gott und Menschen friedlich zu leben. Ist das nicht schon Paradies? Unmöglich für heute?

Ich bin von Hause aus ein friedliebender Mensch. Klar, manchmal bin ich auch „auf Krawall gebürstet“. Dann macht es mir regelrecht Spaß, um eine Sache so richtig zu streiten. Aber Spannungen zwischen anderen Menschen und mir mag ich nicht.

Gibt’s in unserer Familie Streit, fühle ich mich nicht wohl und versuche, schnell wieder irgendwie Frieden zu stiften. Eine unserer Schwiegertöchter sagt dann gerne augenzwinkernd: „Wir sind verwandt, wir müssen uns lieb haben...!“ Und sie hat ja auch recht.

Schwerer wird’s für mich in der christlichen Gemeinde. Da gehören wir auch alle zusammen. Nennen uns manchmal sogar Brüder und Schwestern. Vielleicht hätten wir uns nie als Freunde ausgesucht. Aber nun müssen wir zusammenleben. Gemeinsam singen und beten - und miteinander arbeiten. Das ist gar nicht immer so einfach. Jeder kommt ja aus einem anderen Umfeld.

Ich denke nur an die Renovierung unserer Räume! Wie einigen wir uns bloß auf die farbliche Gestaltung der Wände und Stuhlposter? Allerdings mag das ja vielleicht noch irgendwie gehen.

Viel schwerer ist es bei inhaltlichen Fragen. Jeder hat einen anderen Zugang zu Gott. Der eine mag tiefgreifende Predigten, der andere lockere und lebensnahe. Der eine liebt rhythmischen Lobpreis, der andere die Heilslieder aus der Erweckungsbewegung. Der eine braucht liturgische Elemente, der andere die meditative Stille vor Gott. Wie soll da ein friedliches Miteinander gelingen?

Jesus sagt, er bringt in seiner guten Nachricht diesen Frieden.

Das bedeutet, sobald wir diese Friedensbotschaft annehmen und danach leben, ist auch ein friedliches Miteinander möglich.

Wahrscheinlich ist das die tiefste aller Wahrheiten des Evangeliums von Jesus. Er ist gekommen, jedem Menschen diesen Frieden zu bringen. Und er gibt in seinem Wort viele Anleitungen, wie dieser dann auch gelingen kann. 

So ist sowohl die Parole „Frieden schaffen ohne Waffen“ richtig, als auch der Ruf „Liebevoll!“ aus dem Stübchen meiner Großmutter. Vor allem aber ist es wichtig, der Nachricht des Friedensboten Jesus Christus zu vertrauen. Denn die schafft es wirklich, dass Menschen mit Gott und miteinander im Frieden leben.



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Kommentare

Von Angelika J. am .

Danke für die guten Worte zum Sonntag, sie gehen jeden Tag zu Herzen.


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