/ Wort zum Tag

Sind Träume Schäume?

Klaus Jürgen Diehl über Daniel 2,22.

Bibelvers

Gott offenbart, was tief und verborgen ist.

Daniel 2,22

„Träume sind Schäume“, so sagt der Volksmund. Zwar wundert man sich nach manchem nächtlichen Traum, welch wirres Zeug man da wieder einmal zusammengeträumt hat. Und doch ist das nur die halbe Wahrheit. Versierte Traumdeuter weisen uns nach, dass wir mit unsern Träumen oft eigene Erlebnisse verarbeiten und dabei häufig auf kommende Ereignisse vorausschauen.

Nun hatte der babylonische König Nebukadnezar eines Nachts einen Traum, der ihm gewichtig genug erschien, um ihn von den Weisen seines Landes deuten zu lassen. Also ruft er die Weisen, Zeichendeuter und Wahrsager seines Reiches zusammen. Er erschwert ihre Aufgabe dadurch, dass er ihnen nicht berichtet, was er geträumt hatte. Die Weisen sollen ihm zunächst den Inhalt seines Traumes sagen und daran erst die Deutung anschließen. Kein Wunder, dass niemand sich dazu in der Lage sieht. Bis der junge Daniel, ein jüdischer Exulant, der es bis an den Königshof in Babel gebracht hat, von der Sache erfährt und sich anbietet, das Rätsel um den königlichen Traum zu lösen. Dabei ist sich Daniel bewusst, dass er auch nicht schlauer als die babylonischen Weisen ist. Zusammen mit seinen jüdischen Freunden bittet er Gott um die Gnade, ihm den königlichen Traum zu offenbaren. Und genau das geschieht in einer nächtlichen Vision, bei der Daniel von Gott das Geheimnis des Traumes offenbart wird. Statt aber nun sogleich zum König zu eilen und ihm sein Wissen zu präsentieren, lobt Daniel zunächst Gott wegen seiner Weisheit und Stärke. In diesem Lobpreis fällt dann auch der Satz, der für diesen Tag als biblisches Losungswort ausgewählt wurde: “Gott offenbart, was tief und verborgen ist“. Ohne dass Gott ihm die Augen zum Verständnis des geheimnisvollen Traumes geöffnet hätte, müsste auch Daniel passen und sein eigenes Unvermögen eingestehen.

Nun, was will uns diese alte Geschichte heute sagen? In unserer Zeit sind viele Menschen davon überzeugt, dass menschliche Intelligenz und Forscherdrang auch die letzten Rätsel der Welt noch lösen werden. Menschliches Erkenntnisvermögen scheint göttliche Offenbarung überflüssig zu machen. Das mag für eine zutreffende Deutung von Träumen vielleicht noch angehen. Aber wenn es darum geht, dem Geheimnis Gottes auf die Spur zu kommen, dann muss sich der verborgene Gott schon selbst bei uns bekannt machen. Eben das meint das Wort „Offenbarung“. Denn ohne dass Gott uns die Augen für seine Wirklichkeit öffnet, bleibt alles Reden über ihn in bloßen Mutmaßungen stecken. Gott, wie wir Menschen uns ihn vorstellen, bleibt ein von uns fabrizierter Götze. Genau darin besteht ja die atheistische Religionskritik, die davon ausgeht, dass Gott nur das Produkt menschlicher Vorstellungen und Sehnsüchte ist. Weil Gott aber aus der Verborgenheit hervor getreten ist und sich unüberbietbar in Jesus, seinem Sohn offenbart hat, geht diese Religionskritik ins Leere.

Übrigens geschieht es bis heute, dass Gott bzw. Jesus sich auch durch Träume und Visionen offenbart. Auffallend oft erzählen zum Glauben an Jesus gekommene Muslime, dass ihnen Jesus im Traum erschienen ist und so ihr Herz abgewonnen hat. Gott hat eben viele Weisen, uns von seiner Majestät und Einzigartigkeit zu überzeugen – selbst wenn es durch Träume geschieht.



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Kommentare

Von Friedemann K. am .

das stimmt, darüber gibt es mittlerweile hochinteressante Bücher. Meine Empfehlung:
"Allah mein Vater" ASAPH-Verlag. ein spannendes Buch.


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