/ Wort zum Tag

Ermutigung

Karsten Loderstädt über Josua 8,1.

Bibelvers

Fürchte dich nicht und verzage nicht!

Josua 8,1

Immer mal wieder muss ich an ihn denken: den alten Herrn aus meiner Gemeinde, mit dem ich so manches wunderbare Gespräch geführt habe. Er hatte mir, dem Jüngeren, unendlich viel zu sagen. Lebensweisheit sprach aus seinen Worten. Gottvertrauen. Güte. Und eine gute Portion Humor.

Dabei hatte er eine Menge Schlimmes erlebt. Krieg, Gefangenschaft, Rückkehr ins Ungewisse. Dann, zu DDR-Zeiten, starke Anfeindungen im Betrieb. Weil er aus seinem Glauben an den Jesus Christus keinen Hehl machte. Weil er sich offen zu Jesus bekannte. Weil er andere anstiftete, Gott kennenzulernen.

Gott, der sein Gesicht in Christus zeigt. Dessen Worte trösten, stärken, Hoffnung geben. Eines dieser Kern-Worte, an dem er, der alte fromme Mann Zeit Lebens festhielt, heißt: „Fürchte dich nicht!“ Fürchte dich nicht, hatte Gott zuerst zu Josua gesagt, bevor der die Stadt Ai erobern sollte. In der Zeit, als Israel das Land eroberte, in dem Gott sie beheimaten wollte.

Ja, hab keine Angst! Du bist Kind Gottes. Seine barmherzige Hand liegt ausgebreitet über dir. Sie umgibt dich von allen Seiten. Sie bleibt unter dir der feste Grund, auf dem du stehen kannst.

„Fürchte dich nicht!“

Ich erinnere mich an ein Gespräch am Bett des alten Herrn, ein paar Tage vor seinem Heimgang, seinem Tod. Er erlebte noch seinen 92. Geburtstag.  Er war im Geiste klar, wenn auch die körperlichen Funktionen mehr und mehr ihren Dienst versagten. Ich hatte ihm einen Kartengruß mitgebracht.

Das Bildmotiv zeigte einen weiten Horizont, an dem die Sonne untergeht. Alles ist in ein warmes, rotes Licht getaucht. Sanft breitet es sich aus über dem See. Es berührt den Waldrand und am Uferrand trifft es den Betrachter. „Fürchte dich nicht!“ - so lautet die Botschaft am unteren Bildrand.

Er hielt diese Spruchkarte andächtig fest. Still schaute er. Und sprach dann leise: „Ja, fürchte dich nicht! Das ist es. `Amen!´ Kann ich nur sagen. Weil Jesus da ist. Darum können wir vertrauen.“ Eine Träne lief über seine Wangen. Er schloss die Augen. Und ich versuchte, diese Stille auszuhalten. Sie nicht mit Gerede zu überspielen. Halb dachte ich nach, halb betete ich. Sich nicht fürchten, nicht verzagen.

Mir ist die Kraft dieser Zusage des Herrn bewusst. Oft aber war mein Vertrauen darauf brüchig. Ich hab mich gefürchtet. Obwohl mir, Gott Lob, solche Wegstationen wie die meines geschätzten Gegenübers erspart geblieben sind. Ich lebe im Frieden, habe ein Dach über dem Kopf und auf dem Teller reichlich zu essen. Ich werde weder angefeindet, noch muss ich um meine berufliche Existenz bangen.

Trotzdem, die Angst kriecht durch die Ritzen und Spalten meines Lebenshauses wie Wasser, das nichts und niemand aufzuhalten vermag.

Da steht die Klärung eines Streites aus.
Da bleibt offen, was übermorgen das Arztgespräch ergibt.
Da muss die Prüfung gemeistert werden.
Und manchmal hab ich das Gefühl, mein Tagespensum nicht zu schaffen.

Mitten hinein in die  Finsternis des bangen Herzes fällt dieser Ruf wie ein Lichtstrahl:
„Verzage nicht! Fürchte dich nicht. Ich, der Herr, bin bei dir. Komme, was mag!“

Und dann kann ich aufbrechen, die Dinge angehen und – wenn ich zurückschaue -  weiß ich, dass mir mein Herr und Gott stets geholfen und mich gestärkt hat.

Plötzlich wird meine gedankliche Reise während der Schweigezeit am Bett durch ein tiefes Ausatmen unterbrochen. Er räuspert sich. Dann sagt er: „Die Tage gehen zur Neige. Wie die Nacht sein wird, weiß keiner. Aber ich freue mich auf das Licht meines Herrn, das niemals untergeht. Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Ich habe Jesus im Herzen.“

Diese Worte ergreifen mich. Offenbar sieht er´s mir an. Er lächelt mich an. „Du hast doch auch Jesus im Herzen.“ Ich nicke. „Na also, mein Freund! Hab unbeirrbare Hoffnung! Fürchte dich nicht und verzage nicht!“ 


Kommentare

Von Pfr.i.R. Dietrich T. am .

Danke,! lieber Bruder für diese ermutigenden Worte.
Aus dem Leben gegriffene Beispiele sind immer wieder besonders hilfreich. Der Geist des Dreieinigen Gottes schütze Sie, Ihre Familie und Ihre gesamte Gemeindearbeit. Besonders in dieser Adventszeit gebe ER Ihnen die Ruhe für besonders viel Zeit zum Gebet. Ganz im Sinne Martin Luthers: " Heute habe ich besonders viel Arbeit, darum will ich auch besonders viel beten.!"

Von Brigitte Sch. am .

Herzlichen Dank für diesen wunderbaren Text heute morgen. Manchmal brauchen wir wieder das "Hinführen" auf "fürchte dich nicht", weil uns oft die Widrigkeiten des Alltags den "Blick auf Jesus" Verdunkeln.

Von Walter H. am .

Vielen Dank an den ERF für die unendlichen Ermutigungen aus Ihren Sendungen!!!

Von Walther W. am .

Danke, Herr Loderstädt, für die morgendliche montägliche Ermutigung! Zu oft lassen wir uns entmutigen, verzagen aus uns heraus, selbst ohne äußere Widrigkeiten. Den HERRN im Herzen: "In der Welt, da habt Ihr Angst; doch fürchtet euch nicht, ich habe die Welt besiegt und überwunden!"


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