/ Wort zum Tag

Schlechte Anführer

Daniel Benne über Hesekiel 34,2.

Bibelvers

Wehe den Hirten, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?

Hesekiel 34,2

„Wehe euch, ihr Führer Israels! Ihr solltet für mein Volk wie Hirten sein, die ihre Herde auf eine gute Weide führen. Aber ihr sorgt nur für euch selbst.“

Das, was wir hier in Hesekiel Kapitel 34, Vers 2 lesen, ist ein sehr ernster Tadel. Gott tadelt hier die Anführer von Israel. Gott hatte Hesekiel im Jahr 593 v. Chr. zum Propheten berufen. Zu dem Zeitpunkt war Hesekiel bereits vier Jahre in Babylonien, im so genannten Exil. Auch zur Zeit des Exils gab es halbautonome jüdische Selbstverwaltungen. Von daher meint Hesekiel hier wahrscheinlich deren Anführer. 

Israel war also erobert. Jerusalem zerstört. Und fast alle Einwohner lebten nun in Babylonien. Trotzdem schienen die jüdischen Anführer nichts daraus gelernt zu haben:

•          Sie haben nur an sich selbst gedacht.

•          Und sich nicht um ihre Landsleute gekümmert, die Gott ihnen anvertraut hatte.

Auch im 21. Jahrhundert hagelt es des öfteren Kritik an den Verantwortlichen in der Politik: Ein österreichischer Politiker bot zum Beispiel im Frühjahr einer vermeintlichen russischen Millionärin Staatsaufträge an - im Austausch für Parteispenden.

In Deutschland kam in den letzten Jahren heraus, dass Politiker bei ihrer Doktorarbeit gemogelt haben.

Manchmal taucht der Vorwurf auf: „Die Politiker sieht man nur im Wahlkampf. Und dann hört man vier bis fünf Jahre gar nichts mehr von denen...“

Ab und an ist Kritik hier sicher auch berechtigt. Aber machen wir es uns da nicht oft auch etwas zu einfach? Neigen wir hier nicht zu sehr zur Verallgemeinerung? Bevor Sie das nächste Mal auf Politiker schimpfen und ihnen vielleicht Tatenlosigkeit vorwerfen: Machen Sie sich mal den Spaß, den Terminkalender eines Bundestagsabgeordneten zu googeln:

Und dann beantworten Sie sich ehrlich die Frage, ob Sie mit dem wirklich tauschen wollen. Und ob der Abgeordnete wirklich so tatenlos ist, wie sie vielleicht gedacht haben. Wenn ich mich schon nicht selber politisch engagiere, ist es doch das Mindeste, was ich tun kann: für Politiker und andere Verantwortungsträger zu beten!

Allerdings meint Hesekiel 34 nicht nur politische Anführer, sondern auch religiöse: selbst in einer Gemeinde kann es vorkommen, dass Menschen sich nur deshalb in die Verantwortung rufen lassen, um Einfluss zu bekommen.

Oder dass man seinen Verantwortungsbereich in der Gemeinde völlig vernachlässigt.

Vielleicht geht der Sinn dieses Verses aber auch noch hierüber hinaus und meint allgemein die Verantwortung, die wir anderen gegenüber haben. Und zwar jeder von uns, nicht nur die da oben!

Wo sind Sie als Christ für andere erkennbar? Sorgen Sie sich in erster Linie um sich selbst- oder haben Sie auch einen Blick...

•          für den Nachbarn,

•          die Arbeitskollegen,

•          oder die Geschwister in der Gemeinde?

Erzählen Sie denen bei passender Gelegenheit schon mal von Ihrem Glauben? Sind Sie zur Stelle, wenn von den Genannten mal jemand Ihre Unterstützung braucht? Das Geniale ist, dass man sich in vielen Ländern politisch engagieren darf. Für die Gemeinde Jesu gilt: dass sich jeder einbringen kann und soll. Dadurch wird jeder zu einem Hirten, dem Gott Verantwortung überträgt! Nehmen Sie diese Verantwortung wahr! Und bringen Sie sich aktiv mit ein! Falls Ihnen das zeitlich oder körperlich nicht möglich ist, unterstützen Sie die Gemeinde Jesu im Gebet und finanziell!

Schauen wir doch erst mal auf uns selbst und unseren Hirtendienst! Bevor wir uns über die anderen Hirten und Anführer auslassen!

 


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