/ Wort zum Tag

Von Christus lernen

Bernd Densky über Matthäus 23,10.

Im Märtyrer-Spiegel, einem Buch, das die Geschichte der christlichen Märtyer dokumentiert, finde ich folgenden Eintrag: „Im Jahre 1569 ist zu Asperen in Holland ein frommer getreuer Bruder und Nachfolger Jesu Christi, genannt Dirk Willems, gefangen genommen worden, und hat … schwere Tyrannei ertragen müssen. Weil er aber seinen Glauben und sein Vertrauen … auf den festen Grundstein Christum Jesum gegründet hatte, ist er trotz … schweren Verfolgungen bis ans Ende unbeweglich stehen geblieben. Darum wird er auch, wenn der Erzhirte erscheinen wird, um … seine Auserwählten von allen Enden der Erde zu versammeln, aus Gnaden hören: »Ei, du guter und getreuer Knecht, über wenig bist du treu gewesen, über viel will ich dich setzen, gehe ein zu deines Herrn Freude.«“

Was war geschehen? Dirk Willems, ein niederländisch-taufgesinnter Christ, war 1569 aufgrund des „Wiedertäufermandats“ verhaftet und gefangen genommen worden. Er konnte über einen zugefrorenen Fluss fliehen. Der Büttel – heute würden wir sagen - der Polizist, der ihn verfolgte, brach durch das Eis und drohte zu ertrinken. Als Dirk Willems das sah, drehte er sich um und rettete den Polizisten. Er wurde erneut verhaftet und am 16 Mai 1569 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Augenzeugen berichten im Märtyrerspiegel, dass Willems über 70 Mal geschrien haben soll: „O mein Herr, mein Gott!“ „O mein Herr, mein Gott!“ – bevor er starb.

Mir ist diese Geschichte eingefallen, als ich das Bibelwort  aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 23 Vers 10 gelesen habe. Jesus sagt da ganz kurz und knapp: „Einer ist euer Lehrer, Christus.“ Jesus grenzt sich mit diesem Wort gegen jüdische Lehrer seiner Zeit ab, die den Menschen mit ihren Lehren schwere Lasten auf die Schultern legen, aber selbst nicht nach ihren eigenen Lehren leben, sondern ihren Vorteil suchen. Jesus hält dem entgegen: „Aber ihr“ – und damit meint er seine Jünger und Nachfolger – „ Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. … „Einer ist euer Lehrer, Christus.“

Dirk Willems ist mir an dieser Stelle eingefallen, weil ich für 2025 das 500jährige Täuferjubiläum mit vorbereite. Zurzeit erarbeitet eine ökumenische Arbeitsgruppe für 2020 das erste Jahresthema zu diesem Jubiläum: „Gewagt! mündig leben.“

Die Täufer als radikaler – oder linker – Flügel der Reformation waren Christen, für deren

Leben dieses Leitwort stehen kann: „Einer ist unser Lehrer, Christus.“ Als Konsequenz daraus hat Dirk Willems das Gebot der Feindesliebe aus der Bergpredigt Jesu so ernst genommen, dass er seinen Verfolger rettete, auch wenn ihm das erst Gefängnis und dann den Scheiterhaufen einbrachte. Dirk Willems ist für mich zu einem Beispiel und Vorbild geworden, was es heißen kann, von Christus und seinem Wort zu lernen.

Wenn nur Christus unser Lehrer ist, fordern diese Worte zur ernsthaften Nachfolge Jesu Christi heraus. Meine und ihre Antwort kann ein Gebet mit den Worten eines alten Kirchenliedes sein:

 

Lasset uns mit Jesus ziehen, / seinem Vorbild folgen nach,

in der Welt der Welt entfliehen / auf der Bahn die er uns brach,

immerfort zum Himmel reisen,

irdisch noch / schon himmlisch sein,

glauben recht / und leben rein,

in der Lieb den Glauben weisen.

Treuer Jesu, bleib bei mir,

gehe vor, ich folge dir. (EG 384)


Kommentare

Von Kristian Erickson am .

Danke sehr! Durch diese Andacht erkenne ich folgendes:
Das Zeugnis des Holländers Dirk Willems von 1569 erleuchtet und bestätigt den Weg, den wir als Gläubige nehmen sollen!
Ich denke schon, dass er, als er auf dem Scheiterhaufen den irdischen Tod begegnete, und dabei „O, mein Herr, mein Gott“ schrie, die wunderbare Herrlichkeit des Jenseits sah, und dabei den Märtyrertod unter Begleitung der himmlischen Botschaftern begehen konnte.
Wie Wunderbar ist der Herr!


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