/ Wort zum Tag

„Sie haben die Wahl!“

Johannes Kiuntke über Amos 5,14.

Bibelvers

Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr lebet.

Amos 5,14

Jemand macht eine abwertende Bemerkung. Und in Ihrem Kopf geht ein Wirbel an Gedanken los. Wie hat der oder die das gemeint? Bin ich wirklich so?  Oft trifft solch eine Bemerkung auf ein eh schon angeknackstes Selbstwertgefühl. Dann fühlen wir uns bestätigt in unserer Meinung über uns selbst. Ich wusste es doch, ich tauge nichts; ich bin nicht gut genug, bin ein Versager. Mich mag ja doch niemand.

Es gibt Menschen, die bei allem und jedem ein „Haar in der Suppe finden.“ Für sie haben wir oft wenig schmeichelhafte Bezeichnungen. Wir nennen sie vielleicht „Korinthenkacker“, „Pingelfritze“ oder ähnlich. Solche Leute können einem das Leben richtig schwer machen.

Im Volksmund kennen wir einen Satz, der hier auch zutrifft: „Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es heraus.“ Reden wir Böses, so müssen wir uns nicht wundern, wenn es böse zurück schallt. Reden wir Gutes, dann hat das auch entsprechende Auswirkungen.

Eine Frau und Mutter welkte zunehmend vor sich hin. Ihr Mann fand in vielen Ehejahren kaum anerkennende Worte für sie, sondern nur Kritik. Das machte sie völlig fertig. So konnte und wollte sie nicht weiterleben. Da war die Versuchung groß, als ein Mann auftauchte, der sie bewunderte, ihr schmeichelte und ihr Komplimente machte. In einem Ehekurs sollten die Teilnehmenden 10 Punkte aufschreiben, die sie an ihren Ehepartnern gut fanden. Ein Mann war dabei, der keinen einzigen positiven Punkt über seine Frau zu sagen wusste. Sie können sich vielleicht vorstellen, wie die sich fühlte.

Anders ist es, wenn jemand eher das Gute im Gegenüber sieht. Wenn Eltern, eine Erzieherin oder ein Lehrer das Kind ermutigt in dem, was es gut kann. Manchmal sind das kleine Dinge. Vielleicht ist das Kind ja wirklich ungeschickt, aber es kann gut zuhören, sieht, wo es gebraucht wird, kann andere trösten. Kinder und Erwachsene, die so Ermutigung erfahren, blühen regelrecht auf. „Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr Leben könnt, so wird der Herr, der Gott Zebaoth, bei euch sein, wie ihr rühmt“, heißt es im Buch des Propheten Amos. Tatsächlich hängen wirklich unser Leben und unsere Lebensqualität davon ab, ob uns Gutes oder Böses widerfährt.

Die Worte des Amos‘ sind freilich nicht nur auf das Reden bezogen. Seine Predigt gilt bis heute als Beispiel für eine umfassende Kritik an den sozialen Verhältnissen seiner Zeit. Das Volk Israel lebte nicht nach den Geboten Gottes. Die Leute taten, was sie wollten. Arme wurden benachteiligt, vor Gericht wurde Unrecht gesprochen, Korruption und Betrug waren weit verbreitet. Im Namen Gottes prangert Amos diese schlimmen Verhältnisse an, bei denen die „kleinen Leute“ auf der Strecke blieben. „Suchet das Gute und nicht das Böse“ – bezieht sich also nicht nur auf das Reden oder Denken über sich selbst oder andere.

Wie gerne würden wir oft Menschen, die wir „Böses tun“ sehen oder die eine negative Haltung ausstrahlen, verändern. Das Problem ist, dass wir jemanden anderen nicht verändern können. Wir können uns nur selber ändern. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die beim Gegenüber eher das Negative sehen, dann bedenken Sie, was Sie mit Ihren Bemerkungen oder mit Ihrer Kritik auslösen und anrichten können. Und überlegen Sie, wie Sie vielleicht das Positive verstärken.

Wenn Sie zu den eher empfindlichen Menschen gehören, die bei jeder kritischen Bemerkung beleidigt und eingeschnappt sind, dann könnten Sie daran arbeiten und sich fragen, woher das kommt. Manchmal hilft es, mit einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin gemeinsam zu überlegen, wie ich mein Denken verändern und mein Selbstwertgefühl stärken könnte. Was hat mich geprägt, was hat mich so empfindlich werden lassen? Die gute Nachricht ist: Niemand muss für den Rest seines Lebens so bleiben wie er/sie ist. Wir können uns verändern. Und weil Gott ein Gott ist, dem unser Leben wichtig ist, wird er uns dabei helfen.

 


Kommentare

Von Dr. Lothar B. am .

Lieber Johannes,
Ihr Hinweis , daß Veränderung machbar und möglich ist, kommt zur rechten Zeit. Veränderung als Prozess braucht natürlich Prozessbegleitung (Hilfe, Ermunterung, Spiegelung). Die Ansätze dazu kommen in Ihrem Beitrag wunderbar zum Ausdruck.
Danke für diesen schönen Wochenbeginn.
(In Gedanken habe ich selbverständlich schon den Eigentest auf die positiven Merkmale meiner Gattin gemacht und fündig geworden. Aus souveräner Vermutung heraus nehme ich das auch für die Herren der ERF-Redaktion an


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.