/ Wort zum Tag

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Werner Karch über Micha 7,7.

Bibelvers

Ich will auf den HERRN schauen und harren auf den Gott meines Heils; mein Gott wird mich erhören.

Micha 7,7

Es gibt Situationen im Leben, da weiß man nicht, wie einem geschieht. Man verliert den Boden unter den Füßen und wird in einen riesigen Strudel von Gedanken und Gefühlen hineingezogen. In solchen schwierigen und ausweglosen Situationen brauche ich Trost und Hoffnung. Damit ich nicht aufgebe, damit ich mich nicht von den Problemen überrollen lasse und letztendlich resigniere.

Ohne Hoffnung verliere ich mein Vertrauen an das Gute und glaube nicht mehr an eine Wendung zum Guten. Im Extremfall schließe ich mit mir und meinem Leben ab – ich gebe mich auf.

Aber: Auf was kann ich konkret hoffen? Ist die Hoffnung nicht wie eine Seifenblase, die plötzlich zerplatzt? Nichts bleibt übrig, nichts hilft. Wird wirklich alles gut, wie ich zu hoffen wage?

„Hoffnung ist Wunschdenken“, höre ich, ein schwankender Strohhalm, an den man sich klammert. Das ist nicht einmal falsch. Kein Mensch kann in die Zukunft sehen, erkennen, wie die Dinge sich entwickeln – zum Guten oder zum Bösen. Wieso hoffe ich dann trotzdem?

Im ersten Teil der Bibel, dem Alten Testament, wird von einem Propheten namens Micha berichtet. Er musste im Auftrag Gottes sein Volk mit dessen ungerechtem und gottlosem Verhalten konfrontieren.

Sie sollten erkennen, wie verroht und moralisch verwahrlost sie selbst waren. Sie sollten ihr Verhalten ändern, sich wieder zu Gott wenden und menschenwürdig miteinander umgehen.

Micha lebte inmitten einer Gesellschaft, in der einer gegen den anderen war. Es herrschte keine Gerechtigkeit mehr. Die Richter waren bestechlich. Unrecht und Rechtsunsicherheit waren an der Tagesordnung. Es gab Regierende, die nach Lust und Laune und nach eigenem Vorteil über das Volk Entscheidungen trafen. Recht und Gerechtigkeit wurden mit Füßen getreten. Ja, sogar innerhalb der engsten Beziehungen herrschte ausgeprägtes Misstrauen. Dem Freund konnte man nicht mehr trauen, nicht mal der eigenen Ehefrau. Die Kinder lehnten sich gegen die Eltern auf, jede Ordnung versagte. „Der Mann hat seine Feinde im eigenen Haus“, sagt Micha. Hinzu kamen weitere  Gewohnheiten, die Gott beleidigten.

Wer möchte in solchen Zuständen gerne leben? Wohl keiner. Micha ist wirklich nicht zu beneiden: Er erkennt die Missstände, hält sie seinem Volk vor, aber er muss selbst unter diesen Zuständen leben. Keiner macht es anders, sie hören nicht auf ihn. Er weiß, dass sich Gott dieses Verhalten nicht auf Dauer gefallen lässt, dass er eingreifen und ein furchtbares Gericht halten wird.

Was macht Micha? Verzweifelt er? Läuft er weg? Gibt er auf? Nein. Er sagt:

„Ich aber schaue aus auf den Herrn. Ich warte auf den Gott meines Heils – mein Gott wird mich erhören“. Das sind seine Worte ( Micha 7,7 ).

Er hat Hoffnung. Er hofft auf Gott angesichts vollkommen hoffnungsloser Zustände. Er weiß und hat die Erfahrung gemacht, dass Gott ihm hilft. Dass er ihm durch diese heillosen Zustände hindurch hilft zu überleben. Von seiner menschlichen Sichtweise ist das durchaus nicht sicher.

Wer Menschen mit ihrem schlechten Verhalten konfrontiert, ist meist nicht sehr beliebt. Man hätte ihn gerne los und oft ist jedes Mittel recht, ihn aus dem Verkehr zu ziehen.

Aber: Micha hat Gott vertraut und in der Vergangenheit die Erfahrung mehrmals gemacht, dass Gott ihm hilft, auch in kritischen Situationen. Diese Erfahrung kann ihm keiner mehr abnehmen.

Für ihn ist das eine Aufforderung, auch weiterhin Gott zu vertrauen. Auf Gott vertrauen, auch wenn man nicht sieht, dass sich sofort oder auf absehbare Zeit was verändert. Auf Gott vertrauen, auch wenn es anstatt besser nur schlimmer wird. Da gehört schon was dazu. Ist diese Hoffnung nicht wie eine Seifenblase, die plötzlich zerplatzt? Das war es dann!

Aber: Micha hat eine konkrete und keine abstrakte Hoffnung: Gott selbst, in seiner Treue zu mir und seiner Zusage, dass er es gut meint mit mir, wird mich nicht enttäuschen. Gott selbst, der lebt und handelt, ist der Grund meiner Hoffnung.

 


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