/ Wort zum Tag

Um Weisheit bitten

Thomas Eger über Jakobus 1,5.

Bibelvers

Wenn es jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern und ohne Vorwurf gibt.

Jakobus 1,5

„Mann, bist du blöd!“ Wurden Sie schon mal so angeredet? Also mir ist das schon passiert. Ich kam mir  dabei buchstäblich dumm vor. Der andere war eben der Klügere, der Geschicktere. Der hatte es drauf. Der konnte die mathematische Formel vorwärts und rückwärts aufsagen. Ich nicht! Und schon fühlte ich mich entsprechend. Dass der andere aber nicht mit dem Fahrrad fahren konnte, ich dagegen schon, das zählte in dem Moment nicht.

Noch nie hat mir übrigens bisher jemand bei Unwissenheit den Satz gesagt, der dazu in der Bibel steht. Sehr oft kam dagegen der Vorwurf: „Bist du dumm!“ Der Satz in der Bibel heißt: „Wenn es jemand unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gerne und ohne Vorwurf gibt.“ Jakobus hat das geschrieben. Er war der Halbbruder von Jesus Christus. Sie können den Satz nachlesen in seinem Brief, Kapitel 1, Vers 5.

Es geht also um Weisheit, die von Gott erbeten werden kann. Weisheit hat mit Wissen zu tun. Bei diesem Wissen geht es aber nicht um mathematische Formeln. Es geht auch nicht um irgendwelche wissenschaftlichen Erkenntnisse. Hier geht es um die Beziehung zu Gott. Jakobus erwähnt am Anfang seines Briefes eine unschöne Situation, die durch den Glauben an Jesus Christus entstehen kann. Er schreibt von Anfechtungen gegen den Glauben. Es sind massive Versuche, meinen Glauben zu zerstören. Das können beleidigende und verletzende Worte sein. Das kann sogar körperliche Gefahr sein, mit der gedroht wird, weil ich an Jesus Christus als meinen Gott glaube. Wie soll ich mich dabei verhalten? Was soll ich tun, damit mein Glaube nicht zerbricht und ich das Ganze auch körperlich heil überstehe?

In diese Situation hinein formuliert Jakobus seinen Satz.

Zuerst appelliert er an meine innere Haltung, an meine Einstellung. Ich soll mich darüber nicht aufregen, nicht ärgern, nicht enttäuscht sein. Ich soll mich darüber einfach freuen, meint er. Freuen, dass mein Glaube angefochten wird. Da ist was Lebendiges in mir. Von Gott geschenkt. Dieses wunderbare ewige Leben aus Gott. Wäre es nicht da, könnte es nicht angefochten werden. Wäre es nicht so wertvoll für meine Gemeinschaft mit Gott, würde es der Böse nicht zerstören wollen.

Und dann zeigt Jakobus, wie eine Spirale entsteht, die mich nach oben zieht, heraus aus der Verzweiflung. Er schreibt: In der Anfechtung zeigt sich, wie echt der Glaube ist. Dieser Glaube an Gott ist keine Einbildung. Er ist wirklich da. Dieser lebendige Glaube bewirkt Geduld. Geduld ist, abwarten zu können. Standhaft sein wie ein Fels im Sturm. Der Sturm wird vorüber gehen. Aber der Fels bleibt an seinem Platz. So hat auch die Geduld den längeren Atem. Sie tut ihr Werk bis ans Ende, schreibt Jakobus weiter. Diese Art von Geduld lässt mich gelassen bleiben, weil ich durch sie ganz fest auf Gott vertraue.

Und wie setze ich das praktisch um? Was soll ich tun in solch einer bedrohlichen Situation? Wie verhalte ich mich gegenüber meinen Gegnern – besonders wenn sie radikal werden? Das sind Fragen, mit denen Jakobus bestimmt gerechnet hat. Gut ist es, dass er dafür keine Patentlösung nennt. Er weist auf Gott, den Herrn des Glaubens, hin. Ihn gilt es um Weisheit zu bitten, was zu tun ist. Und das wird Gott dem Bittenden eingeben. Durch seinen heiligen Geist wird er  mir zeigen, wie ich mich verhalten soll: Still sein oder reden. Stehen bleiben oder fortgehen. Das wird Gott in jeder Situation tun. Ob sie scheinbar leicht erscheint oder schwer zu verarbeiten ist!


Kommentare

Von Birgit R. am .

Lieber Thomas, danke für deine erbauliche Auslegung, es passt heute 100% auf mich. Um so mehr freute ich mich, als ich eben beim anhören dachte, diese Stimme kenne ich doch, und beim herunter scrollen sah, das du hinter dieser Auslegung stehst. Dankeschön und herzliche Grüße an dich und deine Lieben von hier aus Eggenstein.


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