/ Wort zum Tag

Ungerecht behandelt

Walter Undt über Prediger 12,14.

Bibelvers

Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, es sei gut oder böse.

Prediger 12,14

Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

Matthäus 5,8

Wenn ich an meine Kindheit zurück denke, dann kommen mir immer noch ein paar Erinnerungen hoch, in denen ich ungerecht behandelt wurde. 

Einmal war es auf einer Freizeit. Ein Spielenachmittag war zu Ende und ich wollte das Ergebnis wissen. Ich ging zur Flipchart und rechnete die Spielstände aus und schrieb sie auf. Da kam der Freizeitleiter auf mich zu, schimpfte und beschuldigte mich, das Ergebnis verfälschen zu wollen. Er hörte mich überhaupt nicht an und schloss mich von den Preisen aus, die alle anderen bekamen. Das saß tief. Es dauerte ein paar Jahre, bis ich dieses Kindheitserlebnis verarbeitet hatte. 

Heute weiß ich, dass ich von meiner Art her solche Reaktionen geradezu heraufbeschworen habe. In meiner Kindheit war ich wohl für viele, die mit mir zu tun hatten, so etwas wie ein Problemkind. Trotzdem trafen mich die Ungerechtigkeiten tief und sind vielleicht heute noch ein Grund dafür, warum ich sehr empfindlich darauf reagiere, wenn ich Unrecht beobachte und nichts dagegen tun kann.

Aufgrund vieler „Ungerechtigkeitserlebnisse" in meiner Kindheit nahm ich mir schon als Jugendlicher fest vor, meinen eigenen Kindern niemals Unrecht zu tun, immer ein souveräner und gerechter Vater zu sein. Inzwischen sind unsere Kinder alle aus dem Haus. Gelungen ist es mir nicht. Zu oft hatten wir als Eltern keinen Ein- und Durchblick, wer von unseren Kindern der wirklich Schuldige war. Manches Mal musste ich mich entschuldigen, weil ich entgegen meiner besten Absicht ungerecht gewesen war.

In der Tat: So manches Mal sind wir einfach machtlos - nicht nur im Kleinen! 

Politisches Unrecht erlebten unzählige Menschen im Dritten Reich und in der DDR. Es gibt viele Länder, in denen gehört das bis heute zur Tagesordnung. Immer noch gibt es Ungerechtigkeit, die Unschuldigen den ganzen Besitz nehmen und sie auch das Leben kosten kann.

Wer mit offenen Augen unsere Welt betrachtet, der muss eigentlich früher oder später durchdrehen, irre werden, wenn ihm Gerechtigkeit ein Anliegen ist. 

Vor kurzem las ich diesen Satz: „Und dann wird man erwachsen, um festzustellen, dass Gerechtigkeit genauso real ist wie Einhörner, Feen und Zwerge...

Ich las diesen Satz danach meiner Frau vor. Wir sahen uns an und nickten. Leider ist das viel zu oft wahr!

Wie befreiend und entlastend ist dagegen das Wort in der Bibel aus Prediger 12,14:

Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, es sei gut oder böse.

Jesus hat versprochen, dass er am Ende Recht sprechen wird. Er wird dann alles Unsichtbare ans Tageslicht bringen: Die guten Taten, für die sich niemand bedankt hat, ebenso wie auch die bestgetarnten bösen Taten.

Dann wird es Gerechtigkeit für alle geben. Jedes noch so gut getarnte Unrecht wird ans Licht kommen, wird von unserem Gott zum Thema gemacht werden.

Das gilt für jedes Unrecht, das man mir antat, wie auch für jedes Unrecht, das ich anderen tat. 

Das Wissen, dass Gott einmal Gerechtigkeit schaffen wird, ermutigt mich heute schon für jedes Unrecht zu beten, das ich nicht ändern kann. Es jetzt schon dem Weltenrichter anzubefehlen. Gleichzeitig fordert es mich heraus, Unrecht zu vermeiden. Und zwar dort, wo immer ich es tun kann oder wo immer ich einen Einfluss darauf habe, dass anderen Gerechtigkeit geschieht.

 

 


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