/ Wort zum Tag

Der ganz andere

Andreas Hannemann über 2. Mose 15,11.

Bibelvers

HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig?

2. Mose 15,11

Kennen Sie Karl Barth? Karl Barth war ein Theologe, der bis 1968 gelebt hat. Viele Pfarrer hat Karl Barth durch seine Bücher und Vorlesungen geprägt. Ich persönlich stimme Karl Barth nicht in allem zu, einiges sehe ich theologisch anders als er – dennoch, ich habe viel von ihm gelernt.

In der reformierten Kirche wird 2019 an Karl Barth erinnert, Festschriften werden herausgegeben, ein besonderes Jubiläum unter der Überschrift „Gott trifft Mensch“ wird gefeiert. Nein, nicht der Geburtstag von Karl Barth wird gefeiert – es wird gefeiert, dass Karl Barth vor 100 Jahren ein ganz besonderes Buch herausgebracht hat.

Seinen Römerbriefkommentar. Warum ist dieser Kommentar so besonders? Wozu das Jubiläum? Das hängt mit dem A-ha Erlebnis von Karl Barth zusammen. Für ihn war Gott zunächst nur eine Projektionsfläche. Eine Projektionsfläche für die eigenen Wünsche und Vorstellungen. Gott hatte bitteschön so zu sein, wie man ihn sich selbst vorstellte. Bis heute ist das so. Viele Menschen haben bestimmte Bilder von Gott im Kopf. Und so, wie diese Bilder sind, sollte dann Gott auch bitte sein.

Welche Bilder haben sie von Gott? Ist Gott für sie der gute Engel, der Sie beschützt? Oder die treue Seele, die immer dann da ist, wenn man sie braucht? Karl Barth zerreißt in seinem überarbeiteten Römerbriefkommentar diese Gottesbilder. Er rechnet mit der menschlichen Neigung ab, sich einen Wunschgott basteln zu wollen.

Karl Barth prägte einen starken Satz: „Gott ist der ganz andere“. – „Gott ist der ganz andere“: Nicht verfügbar, nicht in einen menschlichen Rahmen zu pressen. Gott sprengt das menschliche Fassungsvermögen. Eine Erkenntnis, die die Israeliten nach ihrem wundersamen Auszug aus Ägypten vor über 3000 Jahren auch bekommen hatten.

Es muss erhebend und erschreckend zugleich gewesen sein. Damals – nur knapp den Ägyptern entkommen, nun auf der sicheren Seite stehend. Da fiel die Anspannung von Mose und den Israeliten ab. Sie sangen ein Lied, in dem der Bibelvers vorkommt:

HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig?

Karl Barth würde sagen: Gott – du bist der ganz andere.

Himmel trifft Erde, Gott offenbart sich in Jesus, ohne Anknüpfung, ohne menschliches Zutun.

Dieser ganz andere Gott wird Sie auch heute begleiten. Er wird da sein – herrlich, heilig, schrecklich, löblich und wundertätig. Schieben Sie doch Ihre Bilder und Meinungen über Gott mal zur Seite. Vielleicht gibt es ja heute auch noch Menschen mit solchen A-ha Erlebnissen, wie damals, vor 100 Jahren bei Karl Barth.

Geben Sie Gott in ihrem Herzen Freiraum, der ganz andere sein zu dürfen – Und: Lassen Sie sich überraschen!


Kommentare

Von Antonio A. am .

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Karl Barth war mir nur "vom Namen" bekannt und durch die Sendungen in erf.plus.de. Ich hätte folgende Frage:
Trägt der Kommentar von Karl Barth den Titel: "Kommentar zu den Römerbriefen"? Ist das Buch heute noch erhältlich? (Oder bei einer gut bestückten Bibliothek, wie an der Uni Wien, z.B.).


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