/ Wort zum Tag

Schulden loswerden

Steffen Brack über Psalm 25,7.

Bibelvers

Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen!

Psalm 25,7

Mein allererster Strafzettel ist fast 40 Jahre her. Als 18-jähriger saß ich am Steuer unseres Autos. D.h. es war der Wagen meiner Eltern. Mein Vater hatte mir den Vortritt gelassen. Und so übte er sich an diesem Morgen in der Geduld als Beifahrer. Irgendwann wurde die Straße leicht abschüssig und führte über eine breite Brücke zum nächsten Dorf. Und kurz davor stand die Polizei. „Sie sind zu schnell gefahren. Nicht sehr viel, aber zu schnell.“ Das hatte ich überhaupt nicht gemerkt. Denn diese Stelle war tückisch. Die Straße mit der breiten Brücke verband zwei Dörfer. Die waren bei einer Gebietsreform zusammengelegt worden. Und deshalb stand dazwischen kein einziges Haus. Und nichts wies darauf hin, dass sich ein Autofahrer in einer geschlossenen Ortschaft befand.

„Wenn Sie einverstanden sind“, meinte der Beamte, „zahlen Sie jetzt gleich 10 DM Bußgeld. Und damit ist dann Ihre Ordnungswidrigkeit abgegolten.“ Ich war natürlich einverstanden und schon dabei, meinen Geldbeutel zu zücken. Doch da hielt mir mein Vater schon einen 10 DM-Schein hin und meinte: „Ich zahle das.“ Damit hatte ich absolut nicht gerechnet. Schließlich war ich es, der zu schnell gefahren war - und nicht mein Vater. Aber der sah mich so freundlich und zuversichtlich an, dass ich den Geldschein annahm. Um ihn sofort weiterzureichen an den Polizisten.

Heute, Jahrzehnte später, bin ich verblüfft. Meine Erfahrung von damals spiegelt doch tatsächlich einen Wesenszug Gottes wider. Und zwar einen ganz entscheidenden. Mein Erlebnis von damals veranschaulicht, wie gerne Gott einem Menschen vergibt. Da heißt es z.B. in der Bibel: „Denk nicht mehr an die Sünden meiner Jugend und vergiss meine Vergehen! Denk stattdessen in deiner Gnade an mich – du bist doch voller Güte!“

David, von Haus aus Viehzüchter, später Kriegsheld und Staatsmann, schrieb diese Zeilen vor 3000 Jahren. Und obwohl er eine steile Karriere hingelegt hat: er war doch oft in großer Not. Nahestehende Menschen wollten ihn ermorden. Er musste fliehen. Und seine Feinde jagten ihm nach. Und das nicht nur einmal. Außerdem lud David eine Menge Schuld auf sich im Lauf seines Lebens. Von all dem schreibt er immer wieder in seinen Liedern, die in der Bibel überliefert sind. Besonders im Buch der Psalmen. Dort ist auch der eben zitierte Satz zu finden. Im Psalm 25. Jene Aussage von Davids Sünden und Vergehen. Und von Gottes Gnade und seiner großen Güte.

Was dort besonders auffällt: David spricht nicht nur von seiner Schuld (Vers 7). Nein. In diesem Zusammenhang kommt er erstaunlich oft auf Gottes Güte zu sprechen (Vers 6-8). Und dazu bezieht sich David auch auf Gottes Erbarmen (Vers 6). Ein Wort, das besonders auch das Mitleid Gottes betont, das er mit dem schuldigen Menschen hat. Es rührt Gott im Innersten an, wenn sich jemand mit seinen Sünden herumschlägt. Gott erbarmt sich also wirklich gerne, wenn ich seine Vergebung suche. Und er schimpft mich nicht aus. Meiner Erfahrung nach sammelt sich im Lauf eines Lebens einiges an Schuld an. Wie viel bin ich alleine meinen Kindern schuldig geblieben. An Zeit, an Ermutigung, Zuwendung und Interesse. All das bettet David ein in das Erbarmen Gottes, in sein Mitleid, in seine Gnade und seine Güte. Gott ist gut. Und er vergibt seinen Geschöpfen gerne. Gott freut sich, wenn Sie und ich seine Nähe suchen. Und er ist gerne bereit, unsere Schuld zu vergeben. Von Herzen gerne.


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