/ Wort zum Tag

Bedrohtes Leben

Horst Marquardt über Psalm 143,6.

Bibelvers

Ich breite meine Hände aus zu dir, meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land.

Psalm 143,6

Regelmäßige Bibelleser sind immer wieder überrascht, wie oft Erfahrungen und Empfindungen geschildert werden, die sie aus dem eigenen Leben kennen. Mir geht das so, wenn ich bestimmte Psalmen lese, z.B. Psalm 143. Den hat ein Mann geschrieben, der sich dessen gewiss war, dass Gott Gebete erhört (V. 1). Er war dankbar dafür, dass der Höchste gerade dann hilft, wenn sich der Beter schmerzlich seiner Unzulänglichkeiten bewusst wird und wenn er sich seiner Verfehlungen schämt.

Oft wird auch gebetet, weil Feinde von innen oder außen Sorge bereiten. Der Beter des Psalmes 143 ruft: „Der Feind verfolgt meine Seele und schlägt mein Leben zu Boden“ (V. 3).  Vielleicht war er einer Feindschaft ausgesetzt, die aus dem eigenen Herzen kommt, wie Sorge, Ärger, Neid oder Verleumdung. Oder es zeigten sich Feinde öffentlich. Das ist auch in unserer Zeit zu erfahren.

Ich war seinerzeit für den ERF in Burundi. Ich besuchte Freunde, die erlebt hatten, wie furchtbar es ist, wenn Feinde, in diesem Fall waren es Terroristen, vor der Tür stehen. Sophonie, der Hausbesitzer, hörte eines Tages Geräusche und Waffengeklirr. Er betete um Bewahrung und bat Gott um Hilfe. Er blieb bewahrt. Eine Zeit lang später erzählte ihm einer der ehemaligen Terroristen, der inzwischen Christ geworden war, dass einer seiner Kumpels, während sie vor der Tür standen, sagte: „Er betet“ und berichtete. „Wir waren nur ein paar Meter von dir entfernt. Wir hätten durch die Tür schießen können, aber wir haben uns einfach nicht getraut, weil du gebetet hast.“

Wir hier in Europa erfahren in den letzten Jahrzehnten auch manche Grausamkeit, haben aber den Feind – Gott sei Dank – noch nicht vor der Haustür. Doch gibt es Feindseligkeiten unter Nachbarn,  Kollegen oder in der Verwandtschaft, die viel Kraft rauben. Viele dieser Schwierigkeiten wären zu vermeiden, wenn die Leidtragenden Gott bitten würden, sie davor zu bewahren, in unnötige Auseinandersetzungen zu geraten. Es  entbrennt  mancher Kampf um Bagatellen oder aufgrund von Missverständnissen. Leider setzen manche Probleme dermaßen zu, dass einer sagt:

„Ich bin völlig am Ende“ (V. 7).

Da gibt es manche Nacht, in der der Schlaf gestört ist und Tage, die einem grau und verloren erscheinen. Man fragt sich, ob das nötig ist. Es geht vielen ohne Zweifel  wirtschaftlich gut. Und doch gibt es in der Wirtschaft-und Geschäftswelt manches Betrübliche. Es wird so viel gelogen und betrogen und mancher Betrieb wird durch erbarmungslose Konkurrenz kaputt gemacht. Mancher, der noch vor Kurzem kaum Sorgen kannte, betet jetzt: “Ich weiß nicht weiter und bin vor Angst wie gelähmt.“ (V. 4).

Der Beter von Psalm 143 hat wohl solche Bedrohung erlebt. In seiner Angst wird auf einmal seine Erinnerung wach. Er denkt zurück an früher und daran, wie Gott ihm geholfen hat. Er sagt Gott: „Ich halte mir deine großen Taten vor Augen“ (V. 5). Voll Hoffnung, dass Gott auch dieses Mal helfen werde,  streckt er im Gebet Gott seine Hände entgegen. So beten übrigens auch heute viele in den sogenannten Lobpreisgottesdiensten. Hoffentlich nicht aus Routine und ohne sich viel zu denken.  Dem Beter damals kommt es so vor, als stünde er auf ausgedörrtem Land und warte auf Regen. Darum betet er, was auch wir bitten dürfen, wenn wir in Bedrängnis sind: „Ich breite  meine Hände aus zu dir, meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land“ (V. 6).

 


Kommentare

Von Hedy am .

Vielen Dank fuer die Auslegung. Es war genau das, was ich jetzt brauchte.

Von Pfr i. R. Dietrich T. am .

Das war heute wieder ein sehr hilfreiches und zutreffende Gottes Wort, das der liebe Bruder Marquardt sehr vollmächtig ausgelegt hat. Ich werde es mir heute mehrmals am Tag dankbar und betend anhören, weil unsere Situation direkt betreffend. Danke dafür!

Von Dorothea I. am .

Hallo ERF!
Vielen Dank für eure Internetseite. Nach längerer Pause höre ich heute wieder euren Sender. Die erste Ansprache um 6.00 Uhr in der Reihe aufgeweckt konnte ich nicht zu Ende hören,hatte gerade meine Morgenpflicht zu tun. Umso mehr war ich überrascht,festzustellen, dass ich hören UND lesen kann,um was es geht. Das ist eine wunderbare Sache,so kann ich mit schwerhörigen Ohren besser folgen. Vielen Dank!


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