/ Wort zum Tag

„In Sachen Demut macht mir keiner etwas vor!“

Jürgen Neidhart über Jakobus 4,8.

Bibelvers

Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Wankelmütigen.

Jakobus 4,8

Ein Frosch fragte sich, wie er wohl dem kalten Winter entfliehen könnte. Einige Wildgänse rieten ihm, mit ihnen in den Süden zu ziehen. Das einzige Problem war jedoch – der Frosch konnte nicht fliegen. „Überlasst das nur mir“, sagte der Frosch zu den Gänsen, „ich bin ungeheuer intelligent.“

Dann dachte er intensiv nach und kam auf eine Idee. Er bat die Gänse, ihm zu helfen, die Idee umzusetzen. Sie suchten ein kräftiges Schilfrohr und zwei Gänse nahmen je ein Ende davon in den Schnabel. Der Frosch wollte sich mit seinem Maul an dem Schilfrohr festhalten. Es dauerte gar nicht lange, da brachen die Gänse und der Frosch zu ihrer weiten Reise auf. Schon bald überflogen sie ein kleines Dorf. Die Dorfbewohner staunten und traten vor ihre Häuser, um sich diese sonderbare Sache anzuschauen. Einer schrie ganz laut: „Wer hat denn wohl eine so gute Idee gehabt?“ Das machte den Frosch so stolz, dass er laut zurückrief: „Ich!“ Sein Stolz war sein Unglück, denn sobald er seinen Mund aufgemacht hatte, verlor er den Halt und stürzte in den Tod. Stolz führt zum Sturz, und Hochmut kommt vor dem Fall!“, heißt es treffend in den Sprüchen Salomos (Sprüche 16,18). Und im Jakobusbrief lesen wir:

„Die Hochmütigen weist Gott von sich; aber er wendet denen seine Liebe zu, die wissen, dass sie ihn brauchen“ (Jak 4,6). Ist uns das bewusst, dass stolze Menschen die Gegenwart und Liebe Gottes nicht erfahren können?

Könnte es sein, dass Stolz und Hochmut auch in unseren Herzen leben und uns von Gottes Segen trennen? Bei mir ist das leider immer wieder der Fall. Stolz kann sich perfekt tarnen, manchmal falle ich selbst darauf herein. Nach außen kann man sich bescheiden zeigen, denn Stolz ist eine Sache, die im Herzen lebt. Ich muss ja nicht gerade mit geschwellter Brust umherstolzieren, sondern könnte meinen Kopf bescheiden oder demütig senken. Ich muss ja nicht mit meinen Leistungen und Fähigkeiten vor anderen angeben, sondern könnte Interesse an ihrem Ergehen vorheucheln.

„Du hast es geschafft, die ganze Zeit nicht von dir selbst zu erzählen!", gratulierte ich mir kürzlich selbst, als unsere Gäste nach dem Abendessen wieder gegangen waren.

Ich hatte meine Zeit damit verbracht, die anderen das erzählen zu lassen, was ihnen wichtig war. Während ich mir Gedanken über meine Bescheidenheit machte, kam mir plötzlich der Satz in den Sinn: „In Sachen Demut macht mir keiner etwas vor!“ Ich erschrak, wie stolz ich auf meine eigene Demut war.

Wer stolz ist, hat nicht Gott und den Nächsten, sondern nur sich selbst lieb. Er überschätzt sich selbst, schaut auf andere von oben herab und ist sich seiner Hilfsbedürftigkeit nicht bewusst. Wer meint, von Gott unabhängig zu sein, wird früher oder später zusammen-brechen. Gott richtet Menschen mit einem demütigen und zerschlagenen Geist auf und belebt sie neu, lesen wir in der Bibel. Hingegen lässt er stolze Menschen fallen und Misserfolg erleiden (vgl. Jes 57,17; Jak 4,10).

Es gibt nur einen Weg aus dieser Misere, den uns unser heutiges Bibelwort ans Herz legt:

„Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Wankelmütigen“ (Jakobus 4,8).

Unsere Worte und Taten, Gedanken und Motive sollen transparent und rein werden, denn nur mit einem reinen Herzen kann man Gott schauen (Mt 5,8). Darum ist es nötig, dass wir ehrlich mit uns selbst und mit Gott sind und uns unserer Schwachheit und Sündhaftigkeit bewusst werden. Wer nicht mehr von sich selbst eingenommen ist, sondern sich von Gottes Segen, Kraft und Gnade abhängig weiß, erfährt Gottes Nähe und seinen wunderbaren Segen.

 


Kommentare

Von Petra E. am .

Sehr geehrter Herr Neidhart, grundsätzlich Gedanken die uns alle betreffen. Über diesen Satz bin ich gestolpert. "sondern könnte Interesse an ihrem Ergehen vorheucheln" . Heucheln statt wirkliches Interesse? Mit freundlichen Grüßen Petra E.

Von Charlene G. am .

Wow! (:

Von Wilfried D. am .

Vielen herzlichen Dank, wunderbar erklärt, da findet man sich leicht wieder *****


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