/ Wort zum Tag

Gesegnet

Heinz-Werner Neudorfer über Sprüche 10,7.

Bibelvers

Das Andenken des Gerechten bleibt im Segen.

Sprüche 10,7

Aus wie vielen Büchern besteht die Bibel? Könnten Sie das auf Anhieb sagen? Es sind sechsundsechzig. Muss man nicht unbedingt wissen. Wichtiger als das Äußerliche ist ja, was drinsteht. Wort Gottes ist die Bibel, sagen und glauben wir Christen. Ja, das stimmt! Da geht es um Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben. Um Berichte darüber, wie sich Menschen an Gott gehalten haben – oder auch nicht! –, und was das für ihr Leben bedeutet hat.

Das Buch der Sprüche ist eine Sammlung von Lebens- und Glaubenserfah­rungen, wie sie der König Salomo vor rund dreitausend Jahren gemacht hat. Für nachfolgende Generationen wurden sie aufgeschrieben. Salomo, der den ersten Tempel in Jerusalem erbauen ließ (1. Könige 6). Der in einem komplizierten juristischen Fall ein weises und gerechtes Urteil gesprochen hat (1. Könige 3,16-28). Er wusste, womit man im Leben und vor Gott bestehen kann. Einer seiner Spitzensätze heißt, wörtlich übersetzt: „Die Erinnerung an einen Gerechten führt zum Segen“ (eigene Übersetzung).

Es geht hier nicht „nur“ um ein ehrenvolles Gedächtnis, wie man es oft in Nachrufen für Vereinsmitglieder hören kann: „Wir werden ihm stets ein ehrenvolles Andenken bewahren.“ Das ist ja nicht falsch, und ohne solches Gedächtnis ist gar nicht möglich, was Salomo eigentlich sagen will. Ihm geht es um das Vorbild, dem wir nacheifern. Dadurch wird das Leben eines Menschen nachhaltig, dass er selbst gerecht handelt und andere es ihm nachtun. Was aber ist „gerecht“?

Vor vielen Gerichtsgebäuden steht die Figur der Justitia, der römischen Göttin der Gerechtigkeit. Mit verbundenen Augen und einer Waage in der Hand. Will sagen: Beim Abwägen von Schuld und Unschuld, von Aussagen und Indizien soll der Richter die Person des Klägers und des Beklagten nicht berücksichtigen, ganz so, als könne er sie gar nicht sehen: ob er eher heruntergekommen aussieht oder ob sie sich für die Richter besonders attraktiv zurecht gemacht hat. Richter sollen so objektiv wie möglich Recht sprechen. Das entspricht römischem Denken. In der Bibel meint „Gerechtigkeit“ das aber gerade nicht – oder mindestens nicht zuerst: „Objektivität“. Gerade weil Gott, der höchste Richter, diesen konkreten Menschen – also auch mich! – bestens kennt, meine Stärken und Schwächen, meine ganze Biografie mit Höhen und Tiefen, meine Taten und meine Untaten, gerade deshalb „passt“ das Urteil, zu dem er kommt. Mit anderen Worten: Nicht Vertuschungsversuche helfen weiter, sondern totale Transparenz. Nicht Bestechung ist möglich, sondern Vergebung. Wer „gerecht“ leben und handeln will, muss sich Gott gegenüber ganz öffnen.

In ein paar Tagen ist Weihnachten. Jesus ist geboren. Die ersten Christen haben ihn nicht nur „Gottes Sohn“, „Herr“ und „Heiland“ genannt, sondern auch einfach „Der Gerechte“ (Apg 3,14). Nehmen wir für unser Leben an ihm Maß, dann sind wir wirklich gesegnet – nicht nur an Weihnachten!


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