/ Wort zum Tag

Ohne Hintertürchen

Erika Best-Haseloh über Römer 4,20-21.

Bibelvers

Abraham wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre und wusste aufs Allergewisseste: Was Gott verheißt, das kann er auch tun.

Römer 4,20–21

Vor einigen Jahren war ich mit meinem Mann für einige Tage zum Urlaub in den Niederlanden. Wir hatten in einem netten Hotel ein Zimmer bezogen. Gleich bemerkten wir, dass es sehr kalt im Zimmer war und stellten fest, dass die Heizung nicht funktionierte. Wir sagten an der Rezeption Bescheid und gingen in ein Restaurant zum Abendessen. Meine Gedanken kreisten ständig um das kalte Zimmer und ich sagte zu meinem Mann: „Lass uns doch dafür beten, dass wir gleich ein warmes Zimmer haben. Gott wird uns schon helfen.“ Die Antwort meines Mannes hat sich tief bei mir eingeprägt. Er sagte: „Es ist uns nicht versprochen, dass Gott unsere Wünsche erfüllt. Aber auf seine Verheißungen können wir uns verlassen, die wird er realisieren.“  Wir hatten an diesem Abend kein warmes Hotelzimmer, aber ich hatte wieder etwas mehr über Gott gelernt. 

Der Apostel Paulus stellt uns Abraham vor. Er glaubte, dass Gott seine Verheißungen wahr macht. In Römer 4, 20-21 steht: „Abraham wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre und wusste aufs Allergewisseste: Was Gott verheißt, das kann er auch tun.“ 

Abraham hatte eine persönliche Verheißung von Gott bekommen, dass seine Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel sein würden. Aber nach menschlichem Ermessen konnte sich diese Verheißung gar nicht mehr erfüllen. In so fortgeschrittenem Alter, in dem er und seine Frau Sara sich befanden, war das Kinderkriegen nicht mehr möglich. War das nicht eine Zumutung von Gott, was er da von Abraham verlangte? Sollte er trotz aller Gründe, die dagegen sprachen, immer noch an das Versprechen Gottes glauben?

Abraham gehört zu den großen Glaubenshelden, die uns im Hebräerbrief aufgezählt werden. Was ihn auszeichnete war, dass er glaubte und gehorchte. Als Gott Abraham rief, zog er los, ohne zu wissen, wie dieser Ort aussehen würde, zu dem er gehen sollte. Er nahm alles mit, was zu ihm gehörte. Das zeigt, er ließ sich kein „Hintertürchen“ offen. Es war ein Aufbruch ohne die Möglichkeit zur Rückkehr. Und die Zeit und der Weg bis zur Erfüllung der Verheißung war sehr lang und weit.

Im Wesentlichen geht es bei den Zusagen Gottes darum, dass er den Menschen Gutes geben will, und dass er eingreifen wird, um diesen segensreichen Zustand zu verwirklichen. Auf Seiten der Menschen besteht dann die Hoffnung und die Erwartung, dass diese Verheißung auch erfüllt wird.  

Aber wie ist es mit meinen Erwartungen an Gott? Ich hatte schon manchmal das Gefühl, Gott würde sein Wort nicht halten. Ich war enttäuscht und traurig, weil er nicht so reagiert hat, wie ich es mir vorgestellt hatte. Gott hat versprochen, seine Kinder zu bewahren und für sie zu sorgen. Er hat versprochen, uns Freude und Frieden zu schenken.  Er hat versprochen,

unsere Gebete zu erhören. Aber manchmal scheinen mir das nur leere Versprechen. Was ist aus all den Verheißungen geworden, die Gott gegeben hat? Habe ich da etwas missverstanden? Oder erwarte ich einfach zu viel? Oft fällt es mir schwer, Gottes Zeitplan zu verstehen. Ich will hier und heute Ergebnisse sehen und nicht erst in ein paar Jahren. Für diese Zeiten der Ungeduld und des Wartens hilft mir ein Gebet von Marie Hüsing:

"Mein Gott, bei bestimmten Gebeten lässt du mich arg lange auf die Erhörung warten. Ich könnte darüber verzagen. Aber soll ich die Flagge meines Lebens jetzt auf Halbmast setzen, wo doch noch nicht alle Tage Abend ist?“

Und dann erinnere ich mich an den Vers aus dem Hebräerbrief. Der lautet: „Denn Gott selbst hat versprochen: Ich werde dich niemals vergessen und dich niemals im Stich lassen.“ (Hebr. 13,5) Das ist ein Versprechen, auf das ich mich immer verlassen kann.

 


Kommentare

Von Jürgen W. am .

Jesus sagt: Was ihr den Vater bittet, in meinem Namen, das wird er euch geben.
Darum glaube ich und habe erlebt, dass Gott Gebete erhört, auch um ein warmes Zimmer. Nichts ist ihn zu gering, dass er nicht helfen kann.
Jesus hat gesagt: Wenn ihr Glauben hättet, wie ein Senfkorn, könntet ihr Berge versetzen.
Und der Vater schrie: Ich glaube, hilf meinem Unglauben.

Von B. Lukas am .

Von Dietrich Bonhoeffer ist der Satz aus den "Brautbriefen" an seine Verlobte überliefert:
"Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen!"

Von Stefan K. am .

Ganz herzlichen Dank, liebe Erika Best-Haseloh, das war die passende Predigt zur rechten Zeit....Oh HERR, verleihe mir Geduld und endlich Deine Erfüllung


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