/ Wort zum Tag

Ein Aufschrei des Glaubens

Roland Krause über Hiob 16,19.

Bibelvers

Siehe, auch jetzt noch ist mein Zeuge im Himmel, und mein Fürsprecher ist in der Höhe.

Hiob 16,19

Das hebräische Wort Ijob, im deutschen Sprachgebrauch Hiob, bedeutet ‚der Angefeindete‘. Ja, im Mann Hiob begegnen wir wahrhaft einem Angefeindeten. Sein Reichtum, seine Kinder, seine Gesundheit – erbarmungslos weggerafft in kürzester Zeit. Schweigend halten die trauernden Freunde neben Hiob aus. Sie halten sein Klagen, seine Anklagen aus – sieben lange Tage. Dann reden sie gelehrt und fromm. Doch ihre Theologie ist mager und vor allem zu sicher. Sie sitzen in einem Kahn, der noch nicht leck ist. Ihre Weltordnung ist noch nicht erschüttert. So haben sie Erklärungen parat nach dem Muster: ‚Gott hat dich, Hiob, zu Recht gestraft. Irgendwo muss es eine verborgene Schuld geben. Tue rechtschaffene Buße, dann wird es dir wieder besser gehen.‘

Gut gemeinte Erklärungen der Freude – doch Hiob bleibt ein Angefochtener. Er durchlebt die Not des Glaubens – und  der angefochtene Hiob erfährt inmitten der Not das Wunder des Glaubens. Eben das gilt es zu erzählen! -

Ja, es ist eine verwunderliche Sache um diesen Mann Hiob und seinen Glauben – und überhaupt um den Glauben. Da rast Hiob und lästert, erklärt Gott den Krieg, kehrt ihm den Rücken. Und all das ist im Grund ein Aufschrei des Glaubens – und nicht etwa das Ende des Glaubens. Hiob lässt den Glauben nicht fahren. Gott selbst stellt Hiob nicht in Frage. Hiob merkt: Nicht Krankheit, Zufall, blindes Geschick, die Menschen – nein, Gott selbst hat meinen Weg verstellt.

Da sind die lichten Stellen seiner Gebete. Je weniger Hiob nach eigener Geltung trachtet, je mehr es ihm um Gott selbst geht, umso tiefer wächst Hiob hinein in den Glauben. So kann Hiob beten: ‚Gott, mache mit mir, was du willst. Ich will nicht mein Glück wiederhaben. Ich will nur wissen, ob du mir gütig bist. Ob du, Gott, mein Freund bist oder der große Menschheitstyrann.‘ Dies neue Fragen bringt Hiob ab von sich selber. Sein eigenes Ergehen tritt aus der Mitte. Hiob wirft sich mit allem Rätselhaften, mit aller Anfechtung in Gott hinein und sagt. „Sei du selbst mein Bürge bei dir — wer will mich sonst vertreten? … Siehe, auch jetzt noch ist mein Zeuge im Himmel, mein Fürsprecher ist in der Höhe.“ (Hiob 17,3 und 16,19).

Weil Hiob sich in Gott hinein wirft,  -in den Gott, der nicht bloß den Tod schickt, sondern vor dem Tod, im Leben nach Hiob ruft und ihn zu sich zieht und hinter dem Tod derselbe bleibt-  darum leuchtet jetzt im angefochtenen Hiob dieser Glauben auf: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, im Himmel; und nach dem Staub wird Er sich erheben. Und ich werde Ihn schauen."[

Je mehr Hiob sein eigenes Geschick vergisst, je mehr er aufhört, es enträtseln zu wollen oder zu verwünschen, desto mehr wird er ein Zeuge des lebendigen Gottes, zum Zeugen eines ganz anderen Gottes, als ihn die Freunde kennen. Hiob hat unter Anfechtungen erfahren, was Glaube ist. Glaube ist nicht der Wall um unsre Lebens-Burg.

Glauben lernen an Hiob – das bedeutet: Zu wissen, dass der Glaube wie eine Laterne ist, die Gott uns voranträgt, damit wir mit ihm auf den dunklen Straßen dieser Welt bleiben, bis sein Tag anbricht.

 

 

 


Kommentare

Von Stefan K. am .

Ich bin schlichtweg begeistert von dieser so umfassenden Auslegung, von so viel Tiefgang zu Hiob und seinem Wesen und was durch IHN zu bedeuten hat. Diese Predigt werde ich unter meinen Favoriten abspeichern. Ganz herzlichen Dank und einen segensreichen Gruß.

Von Frank R. am .

Eine prima Auslegung des Textes.
Mit einer ruhigen verständlichen Art und auch Kapitel übergreifendes mit einflechten bzw. Parallelisiert.
Ja, das muss man sich immer wieder neu vor Augen führen, das das dunkel auf unserem Weg von ihm mit seiner Laterne erhellt wird.
Jeden Tag wieder neu, so können Zweifel, Angst und Schrecken ihre Wirkung verlieren....

Von Theresia U. am .

Ja, von den Umständen weg, auf unseren Erlöser, Herrn und Heiland und unseren allmächtigen, himmlischen Vater schaun. Er macht zu seiner Zeit alles wieder gut. Ihm sei aller Dank, alles Lob und alle Anbetung. Jetzt und in alle Ewigkeit. Amen

Von Pfr i. R. Dietrich T. am .

Das ist Kreuzestheologie im Alten Testament und sehr sehr tröstlich. Danke für die glasklare Auslegung. Bloß gut, dass der Verborgene uns durch Jesus soo nahe gekommen ist und wir seine Menschwerdung nun täglich feiern können. Liebe Grüße, Ihr Bruder in Christus, Dietrich Tews


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