/ Wort zum Tag

Immer nachts!

Manfred Schultzki über Apostelgeschichte 23,11.

Immer nachts! Nachts kommen die Schmerzen. Nachts kommen die sorgenvollen Gedanken. Nachts kommen die Fragen nach der Zukunft. Wobei Zukunft manchmal bedeutet: "Werde ich den kommenden Tag erleben oder überleben?" Immer nachts. Da gibt es keine Ablenkung mehr. Keine Gespräche. Keine Begegnung. Da gibt es keine Perspektive. Es ist einfach zu dunkel. Nachts ist der Mensch auf sich geworfen. Und die Ereignisse des Tages hallen nach. Darum haben nicht nur Kinder oft Angst vor der Nacht. Auch viele Erwachsene lassen z. B. eine kleine Lampe brennen. Sie gibt wenigstens ein bisschen Orientierung.

Paulus geht es ganz ähnlich. Er hat einen schrecklichen Tag hinter sich. In Jerusalem läuft alles aus dem Ruder. Die Menge ist so aufgebracht über die Rede des Paulus, dass der römische Hauptmann ihn auspeitschen lassen will. Da beruft sich Paulus auf sein römisches Bürgerrecht. Nun kommt es zu einer Verhandlung vor dem Hohen Rat. Wieder geht es drunter und drüber. Kaum öffnet Paulus den Mund, lässt der Hohepriester ihn schlagen. Wie wird das alles ausgehen? Paulus ist ganz ratlos. Er hat auch guten Grund dazu, denn einige Fanatiker werden einen Schwur ablegen, ihn zu töten. In einer solchen Nacht ist einem nicht nach schlafen.

Doch dann redet Gott zu ihm. Sei getrost! Und schon diese beiden Worte ändern alles. Sie geben ihm die Perspektive zurück, die Paulus verloren gegangen war. Ich möchte das einmal ganz persönlich erzählen. Als ich vor einigen Jahren überraschend ins Krankenhaus musste, war ich sehr besorgt. Viele Fragen bewegten mich, was das nun bedeuten würde. Damals habe ich wie so oft zu meiner Bibel gegriffen und darin gelesen. Ich hatte mir die Psalmen ausgesucht, denn gerade die Psalmen enthalten viele Trostworte und Ermutigungen. Dabei entdeckte ich einen kleinen Vers in Psalm 4. Dort heißt der Vers 9: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne. Für mich war das damals ein Wort direkt von Gott zu mir persönlich. So wie damals dieses "Sei getrost!" für Paulus. Es hat mich damals gelassen gemacht und ruhig. Ja, ich konnte sogar gut schlafen. Und in den darauffolgenden Tagen haben sich die Besorgnisse und Fragen erstaunlich und wunderbar geklärt. Ich habe mir damals in meine Bibel eine Notiz gemacht. Ich wollte diese Erfahrung nicht vergessen. Und immer, wenn ich wieder in eine sorgenvolle Lage geraten war, fiel mir auch dieser Vers ein und diese Erfahrung. Sie war ein Erlebnis mit Langzeitwirkung. Das bedeutet nicht, dass immer alles glatt ging - obwohl ich auch viel Bewahrung erlebt habe. Aber ich wusste und weiß: Ich bin nicht allein. Gott hat einen Weg mit mir.

Auch Paulus hat das erlebt. Und diejenigen von Ihnen, die seine Geschichte etwas kennen, wissen: Einfach war es nicht. Dennoch gilt: Sei getrost! Der Herr, der Paulus so ermutigt, der stand ihm auch bei auf den weiteren Wegen. Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, wünsche ich, dass Sie wie Paulus erleben: In der Nacht stand der Herr bei Paulus und sprach: Sei getrost! (Apostelgeschichte 23,11).


Kommentare

Von Pfr. i. R. Dietrich T. am .

Ein ganz bewegender Beitrag. Danke Herr für die Nåchte die uns eine Wende in der Not brachten. Wenn Du plötzlich sprichst, ändert sich alles! Jesus segne den Bruder in Christus, der uns Gottes Wort auslegte. Herzlich, Dietrich T.und Gattin. Shalom.


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Cookies helfen uns, Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutz und Cookie Richtlinien sowie der Speicherung von Daten im Rahmen des EU-US Privacy Shield zu. Mehr erfahren