/ Wort zum Tag

In der Falle

Jürgen Werth über Sprüche 3,26.

Bibelvers

Der HERR wird deinen Fuß vor der Falle bewahren.

Sprüche 3,26

Wie gut, dass die wesentlichen Aussagen der Bibel immer doppelt vorkommen. Doppelt und dreifach und noch viel öfter sogar. Die Losung von heute aus dem Buch der Sprüche lautet so: „Der HERR wird deinen Fuß vor der Falle bewahren." Und sie erinnert mich mächtig an einen anderen Vers, der mich seit Jahren begleitet. Psalm 121, Vers 3: "Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht."

Aber ich will trotzdem mal fragen, nachfragen. Stimmt das denn? Kann ich das denn so unterschreiben? Können Sie's? Sind wir nicht schon hundertfach ausgerutscht in unserem Leben, „ausgeglitten"? Sind wir nicht schon zigmal in eine Falle geraten? Hereingefallen auf die Versprechungen und Verlockungen von Menschen, die es nicht gut mit uns gemeint haben? Oder auf unsere eigenen verqueren Träume und Sehnsüchte?

Ja. Aber wir haben alles irgendwie überlebt und überstanden. Oder? Wir leben noch. Wir glauben noch. Wir singen und beten hoffentlich noch. Die Fallen, in die wir geraten sind, haben uns wieder frei gegeben. Jemand hat den tödlichen Mechanismus gelöst, hat uns ausgelöst, hat uns erlöst. Jemand. Ein Mensch. Oder Gott höchstpersönlich.

Fallen sind eigentlich tödlich. Machen einem Tier gleich den Garaus oder nehmen es doch wenigstens so gefangen, dass es dem Fallensteller nicht mehr entkommen kann. Steckst du wirklich in einer Falle, na dann Gute Nacht.

Der Autor unseres Bibelverses hat das wohl erlebt, aber eben auch die Befreiung, und er sagt es jetzt einem anderen, und er sagt es auch uns: "Der HERR wird deinen Fuß vor der Falle bewahren."

Ob er selber das auch so sagen könnte? Gott? Der Gott, der sich als Jesus von Nazareth unter seine Menschen gewagt hat? Der in die Hände dieser Menschen geraten ist? Der in der Falle saß? Einer wirklichen tödlichen Falle? Ich sehe ihn in dem engen Gefängnis, dass man bis heute in Jerusalem besichtigen kann. Tief unter der Hahnenschreikirche. Dort also, wo der Hohepriester damals seinen Palast hatte. Er sitzt fest. Ist gefangen. Kommt nicht raus. Und das Urteil ist längst gefallen: Tod durch Kreuzigung.

Unten in diesem engen Gefängnis liegt ein Zettel mit Psalm 22. Jenem Psalm, den Juden bis heute vor dem Sterben beten und den Jesus wohl auch gebetet haben mag. Psalm 22. Am Kreuz später schreit er sich einen Satz daraus aus dem geschundenen Leib: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Der ganze Psalm ist ein einiger Aufschrei eines Menschen, der in der Falle des Todes festsitzt: „Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe." Aber das Gebet geht weiter, immer weiter: „Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile mir zu helfen! Errette meine Seele vom Schwert, mein Leben von den Hunden! Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern wilder Stiere -" und dann, ja dann, mittendrin in diesem grausam verzweifelten Gebet -: „Du hast mich erhört!" Und: „Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeinde rühmen."

Jesus bleibt das Kreuz nicht erspart. Zu seinem Unglück und zu unserem Glück. Und dennoch, auch für Jesus ist die Gefängnisfalle nicht das letzte. Auch nicht das Grab, in das ihn seine Jüngerinnen und Jünger nach der Kreuzigung legen. Gott holt ihn heraus aus diesen finsteren Löchern, er holt ihn zurück ins Leben. Und zeigt uns allen damit unübertrefflich eindrucksvoll: Keine Falle hat mehr die Macht, dein Leben zu zerstören. Nicht einmal die Falle des Todes.

Weil das so ist, will ich die Losung dieses Tages glauben. Will ich mich auf sie verlassen. Gott bewahrt meinen Fuß vor der Falle. Heute. Morgen. In alle Ewigkeit. Mann, tut das gut!

 


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