/ Wort zum Tag

Gehilfen zur Freude

Daniel Eschbach über 2. Korinther 1,24.

Zwischen den Zeilen kann man manchmal sehr viel lesen, mehr jedenfalls, als der Schreiber eigentlich gemeint hatte. Es kann dabei zu Missverständnissen und Unstimmigkeiten kommen, vielleicht sogar zu einem Konflikt. So ging es auch der christlichen Gemeinde in Korinth und Paulus, dem Schreiber des zweiten Korintherbriefes. Die beiden Parteien gerieten prompt aneinander. Diese Spannungen klingen offensichtlich mit, wenn Paulus im 2. Korinther 1,24, dem heutigen Wort zum Tag, betont: „Nicht dass wir Herren wären über euren Glauben, sondern wir sind Gehilfen eurer Freude; denn ihr steht im Glauben.“

Offenbar waren gewisse Äußerungen des Apostels in Korinth so verstanden worden, dass er von den Korinthern Gehorsam oder gar Unterwerfung unter seine Sicht des christlichen Glaubens fordere. Doch Glauben kann man nicht befehlen. Man kann nur dazu einladen und versuchen, andern auf dem Weg zur Freude des Glaubens ein guter Begleiter zu sein. Hätten die Korinther Paulus richtig verstanden, hätten sie keinen Grund gehabt, sich zu wehren. Der Apostel bestätigt ausdrücklich, dass er nicht „Herr über den Glauben anderer“, sondern „Gehilfe zu ihrer Freude“ sein will.

Mir scheint, dass er damit etwas ganz Wichtiges ausspricht. Wer schon je eine Andacht oder eine Predigt vorbereitet hat, kennt vermutlich die Versuchung, die Zuhörer sanft in eine bestimmte Richtung zu führen. Manchmal würde man sich ganz gerne als Ausleger präsentieren, der den Text ganz klar sieht und versteht und die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Das wäre dann wohl der Versuch, „Herr zu sein über den Glauben anderer“. Auch in persönlichen Gesprächen über den Glauben, besonders mit Menschen, die selbst noch auf der Suche sind, kann es manchmal diese Gefahr geben. Das ist durchaus verständlich. Schließlich geht es in einem solchen Gespräch um Dinge, die uns ausgesprochen am Herzen liegen. Wir möchten, dass auch andere das erleben oder einsehen, was wir selber als wichtig und hilfreich erlebt haben.

Ich mag darum gar niemandem vorwerfen, wenn er oder sie mal die Versuchung spürt, „Herr über den Glauben anderer“ zu sein. Es ist aber wichtig, dass wir dieser Versuchung dann bewusst nicht nachgeben. Ein Mensch kommt nur dann zum Glauben, wenn er Gott ganz persönlich begegnet. Wir können andere Menschen wohl an diese Begegnung heranführen. Die Begegnung erzwingen können wir aber nicht. Und wir können auch nicht beeinflussen, wie jemand diese Begegnung mit Gott erlebt, und welche Schlussfolgerungen er daraus zieht.

Es mag fast allzu bescheiden klingen. Aber ich glaube, dass Paulus recht hat: „Nicht dass wir Herren wären über euren Glauben, sondern wir sind Gehilfen eurer Freude; denn ihr steht im Glauben.“ Genau das ist unsere Aufgabe, wenn es um das Bezeugen unseres Glaubens geht. Wir können und wollen dazu helfen, dass andere Menschen die Freude einer Begegnung mit Gott erleben und zum Glauben kommen. Dabei bleiben wir Gehilfen und überlassen das Entscheidende Gott. Wenn wir dann erleben, dass jemand zu dieser Freude des Glaubens findet, ist das doch schon ziemlich viel. Schließlich gilt auch hier: Geteilte Freude ist doppelte Freude.


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