/ Wort zum Tag

Der bessere Weg

Wolf-Dieter Kretschmer über Psalm 32,3.4.5.

Bibelvers

Da ich meine Übertretungen verschweigen wollte, verschmachteten meine Gebeine. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir. Darum bekannte ich dir meine Sünde.

Psalm 32,3.4.5

Wenn ich als Kind etwas angestellt hatte, dann fiel es mir schwer, beispielsweise meiner Mutter in die Augen zu schauen. Meine Schuld drückte sehr aufs kindliche Gewissen. Selbst heute noch ertappe ich mich dabei, dass ich schuldbewusst den Blick senke, wenn ich etwas falsch gemacht habe.– Die kindliche Prägung wirkt erstaunlicherweise bis heute.

Deshalb kann ich den König David gut verstehen, wenn er im zweiten Bußpsalm folgende Worte findet:

„Da ich meine Übertretungen verschweigen wollte, verschmachteten meine Gebeine. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir. Darum bekannte ich dir meine Sünde“, Psalm 32,3.4.5.

Bei David war es sogar noch einen Zacken schärfer. Bei ihm hatte das schlechte Gewissen gesundheitliche Auswirkungen. So verstehe ich es, wenn David davon spricht, dass seine Gebeine verschmachteten.

Unbewältigte Schuld kann tatsächlich negative Folgen nach sich ziehen. Sie kann Beziehungen belasten, ja, sogar dauerhaft schädigen. Unbewältigte Schuld ist wie ein langsam wirkendes Gift. Auf die Dauer zerstört sie das Leben.

Und warum setze ich mich immer wieder diesem Gift aus? Warum mache ich nicht kurzen Prozess – oder sollte ich besser sagen: reinen Tisch?

Die Antwort ist genauso unangenehm. Ich bin ein stolzer Mensch. Mich behindert mein eigener Stolz. Ich habe keine Lust zuzugeben, dass sich mich schuldig gemacht habe. Lieber suche ich angestrengt nach einer Ausrede  … und verrenne mich immer weiter, so wie es König David getan hat.

„Deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir“, sagt David und meint damit Gott. Schuld wirkt in mehreren Dimensionen: Zum einen in der Horizontalen, bei dem Menschen, an dem ich schuldig geworden bin. Aber sie wirkt auch in der Vertikalen, in Richtung Gott. Das hat damit zu tun, dass begangene Schuld häufig auch eine Übertretung eines Gebotes Gottes ist.

Ein Beispiel: Wenn ich jemanden belüge, bin ich einem Menschen gegenüber nicht nur unwahrhaftig, sondern breche auch eines der 10 Gebote, nämlich: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich nicht eher ruhig werde, bevor ich nicht das aus der Welt geschafft habe, was mich belastet. Und zwar in zwei Richtungen: Gegenüber dem, an dem ich schuldig geworden bin und gegenüber Gott.

Wie soll ich das anstellen, frage ich mich. Auch darauf hat David eine Antwort. Einige Verse weiter, in Psalm 32, Vers 8, lässt er Gott zu Wort kommen. Er sagt: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.“

Mit anderen Worten, ich brauche nur auf Gott zu achten. Wenn ich mich sensibel für seine Sicht mache, werde ich erkennen, was als Nächstes zu tun ist.

Und damit bin ich wieder bei meiner Kindheit: Ich brauchte meine Mutter nur aufmerksam anzuschauen und ich wusste, was zu tun war bzw. wie ich mich zu verhalten hatte. Die Redewendung „ein vielsagender Blick“ trifft bei uns zu Hause zu.

Ich lade Sie ein, es heute David gleich zu tun: Suchen Sie das Gespräch mit Gott. Bekennen Sie ihm Ihre Schuld und – wenn es einen Menschen gibt, dem Sie Unrecht getan haben – klären Sie auch das. Machen Sie reinen Tisch. Erleben Sie, was es heißt, Vergebung zu empfangen.


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