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Notruf

Rainer Heuschneider über Markus 4,38.

Bibelvers

Jesus war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und die Jünger weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?

Markus 4,38

Die Welt der Tiere ist faszinierend. Ob ich zu Hause unseren Zwerghasen Emil beobachte, die Katze unserer Nachbarn oder Tiere in der freien Wildbahn. Nicht ohne Grund erfreuen sich Tiersendungen im Fernsehen großer Beliebtheit.

Vor einiger Zeit bekam ich eine Ausstrahlung mit, in der eine Forschergruppe Büffelherden beobachtet hat. Sie trauten sich ganz nah mit ihren Kameras an diese riesigen Tiere heran. Keine Reaktion beim Büffel! Selbst als ein Auto ganz dicht heranfuhr, ließ sich das Tier nicht aus der Ruhe bringen.

Dann wurde aber gezeigt, was passiert, wenn eines dieser Büffel sich erschreckt und in Angst gerät. Wenn es in eine Richtung losläuft,  dann rast die ganze Herde mit. Von einer „Herdenpanik“ war die Rede, die sogar dazu führen kann, dass die Büffelherde blindlings auf einen steilen Abhang rast, alles niedertrampelt, um dort nacheinander ungebremst abzustürzen. Unfassbar, oder?

Nun möchte ich uns heute  nicht mit einer „Büffelherde“ vergleichen. Und erst recht nicht die zwölf Jünger Jesu. Aber als die Jünger in einen heftigen  Seesturm geraten, bricht eine Gruppenpanik aus. Obwohl erfahrene Fischer mit zur Crew gehören, überwiegt eine unbändige Angst: „Wir gehen unter, wir ertrinken!“ Aber in einem ganz entscheidenden Punkt reagieren die Jünger ganz anders als die Büffelherde. In ihrer Panik agieren sie nicht blindlings weiter, sondern wenden sich an Jesus, der im hinteren Bootsteil in einem Tiefschlaf versunken ist.

In Markus 4, 38, heißt es dann: Die Jünger weckten ihn und sprachen: „Meister, fragst du nicht danach, dass wir umkommen?“ Ein SOS-Ruf in tiefster Not, ein Gebetsschrei wenige Millimeter vor dem Abgrund. Und Jesus lässt sich wecken und hilft.

Nun habe ich selber zum Glück noch nie einen solchen heftigen Seesturm erlebt.  Aber ich kenne Situationen, in denen mir – im Bilde gesprochen – auch das Wasser bis zum Hals reicht. In denen mir der Himmel leer vorkommt, wo ich auch das Gefühl habe: „Gott schläft, warum reagiert er nicht?“

Aber das zitierte Bibelwort ermutigt mich, dass ich nicht blindlings auf eigene Faust versuche, die Not zu lindern. Sondern, dass ich auch zu Gott rufe: „ Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Sorgen erdrücken?  Herr, fragst du nicht danach, dass ich an meinen Zweifeln kaputt gehe?“

Wie schrieb einst Martin Luther: „ Du musst Gott mit seiner Verheißung die Ohren reiben, bis sie heiß werden“.

 


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