/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Statt verzweifeln frei werden

Andreas Odrich über Sacharja 12,10.

Bibelvers

Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets.

Sacharja 12,10

Wild meinen Frust abladen. Solche Situationen gibt es. Meine Wut muss sich bahnbrechen, sonst frisst sie mich innerlich auf.

Doch letztlich verliere ich durch diese Art Verzweiflung nur meinen letzten Funken Energie und geändert hat sich nichts. Die Bürger Jerusalems erleben so eine Situation vor rund 2.300 Jahren. Ihre Stadt liegt in Trümmern. Das ist zum Verzweifeln und zum Schreien. Doch genau hier schaltet sich der Prophet Sacharja ein. Er richtet den Bürgern Jerusalems von Gott aus:

"Über das Haus Davids und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets."

Die Worte Sacharjas bringen endlich Licht in die Düsternis. Da ist die Hoffnung auf Gnade, die Gott schenken wird. Und dann ist da schließlich das Gebet - im Urtext steht hier das Wort Klage. 

Statt verzweifelt im Fluch um sich zu schlagen, lässt sich die Verzweiflung aufeinmal bündeln, sie lässt sich fokussieren als Klage gegen Gott. Bemerkenswert: Gott macht sich selbst zur Adresse der ganzen Verzweiflung. Keine wohlgeformten, heiligen Töne sondern Ärger und Not dürfen ihm ehrlich und schonungslos präsentiert werden. Gott nimmt alles entgegen. Und so ist wieder Luft für neue Gedanken, Luft für Perspektive, Luft für Zukunft. Was für ein Unterschied zur Ausgangslage. Alles darf bei Gott abgeladen werden, die Trümmer verschwinden. Weil die Menschen nicht mehr um sich selbst kreisen, weil Gott ihnen alles abgenommen hat, können die Menschen endlich wieder befreit über den brüchigen Tellerrand der aktuellen Not nach vorne schauen. Und nur das ermöglicht, den ersten Schritt in eine neue Zukunft, gestützt durch Gottes Gnade.


Kommentare

Von Michael F. am .

Danke! Mit Gott, auch in meiner, deiner, unserer Wut, gibt es wieder das hoffnungsvolle, gute Neue.


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