/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Gewaltig

Markus Baum über Psalm 84,13.

HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

Psalm 84,13

Eine Armee, ein Heer, eine Streitmacht – solche Begriffe sind immer verbunden mit der Vorstellung von Gewalt. Zumindest potenziell. Und aller menschlichen Erfahrung nach wird diese Gewalt auch irgendwann entfesselt, oder zumindest wird mit ihr gedroht, wird mit dem Säbel gerasselt oder werden die Panzer bei irgendwelchen Anlässen schon einmal zur Schau gestellt.

Nun bin ich ein Kind des gewalttätigen 20. Jahrhunderts, und so klingt es für mich etwas bedrohlich, wenn in der Bibel von Gott als dem „Herrn der Heerscharen“ gesprochen wird. In deutsch-hebräischem Mischmasch: vom "Herrn Zebaoth“. Gott und seine unvorstellbare Macht – da kann man schon das Zittern bekommen. Zugleich ist Gott vertrauenswürdig, nahbar und liebevoll. Deshalb heißt es in Psalm 84 im 3.000 Jahre alten Liederbuch Israels: „HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!“ – Dabei handelt der Psalm nicht etwa von einer göttlichen Heerschau oder Militärparade, sondern von der Sehnsucht nach Gottes Gegenwart, bildlich gesprochen: nach seinen Wohnungen und Vorhöfen.

Wie passt das zusammen? Das ergibt sich aus dem Sätzchen unmittelbar vor der Aussage über den Herrn der Heerscharen. Denn das lautet: „Gott, der Herr, ist Sonne und Schild.“ Gott setzt seine gewaltige Macht offensichtlich vor allem ein zum Schutz seiner Kinder und Gefolgsleute. Offensichtlich gibt es genug ernst zu nehmende Bedrohungen in der Welt. Und deshalb ist es für mich als friedliebender, aber selbst durchaus zur Gewalt fähiger Mensch gut zu wissen: Ich habe Gott zum Freund – und kann auf seinen Schutz zählen.     



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