/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Der Tanklastzug

Jörg Dechert über Jakobus 3,9-10

Bibelvers

Mit der Zunge loben wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes gemacht sind. Aus einem Munde kommt Loben und Fluchen. Das soll nicht so sein.

Jakobus 3,9–10

Neulich habe ich auf der Autobahn einen großen, silbernen Tanklastzug überholt. Ich dachte zunächst „Milch“ – bis ich die Warnschilder las: „Kühlwasser für Baustellenbedarf. Kein Trinkwasser!“

Gut, dass Kühlwasser und Trinkwasser getrennt transportiert werden. Dass ein- und derselbe Tanklastzug nicht an einem Tag Kühlwasser transportieren darf und am nächsten Tag Trinkwasser. Zu groß wäre die Gefahr der Verunreinigung der Flüssigkeit, die für uns alle so lebenswichtig ist.

Und so wenig wie Kühlwasser und Trinkwasser in denselben Tanklastzug gehören, so wenig gehört das Lob für den Schöpfer und das Herabwürdigen seiner Geschöpfe in denselben Mund.  Einen entsprechenden Hinweis gibt’s im Neuen Testament im Jakobusbrief. Da macht einer der ersten Christen seinen Weggefährten bewusst:

Mit der Zunge loben wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes gemacht sind. Aus einem Munde kommt Loben und Fluchen. Das soll nicht so sein.

Sprich: Wie ernst soll man die Frömmigkeit eines Menschen nehmen, der andere herabwürdigt, die doch auch nach dem Bild dieses Gottes geschaffen sind?

Das ist wie bei dem Tanklastzug: Gut über Gott und schlecht über Menschen reden – das gehört nicht in denselben Mund. Alle Menschen leben schließlich von der Würde, die Gott ihnen schenkt. Es ist deshalb absurd, wenn Menschen andere Menschen nicht mit der gleichen Würde behandeln. Punkt.


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.