/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Wie ein Kind

Markus Baum über Markus 10,15.

Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

Markus 10,15

Jetzt, in den Tagen unmittelbar vor Weihnachten, steigt speziell bei Kindern die Spannung und die Vorfreude. Leuchtende Augen, neugierige Fragen, eifriges Überlegen, oft auch geheimnisvolles Tun – und bei manchen Kindern vielleicht auch ein wenig Herzklopfen. Sich selbst ganz bewusst spüren und Dinge an sich selbst und an der Welt wahrnehmen, für die man sonst keine Sensoren hat. Wenn ich das im Sinn habe, dann bekommt auch ein Satz Sinn, denn Jesus einmal gesagt hat: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen (Markus 10,15). Nun bin und fühle ich mich ziemlich erwachsen – also habe ich möglicherweise ein Problem.

Der Theologe und Reformpädagoge Eberhard Arnold hat vor 100  Jahren über Erwachsene, wie er ja selber einer war, geschrieben: 'Wir sind unreiner Lippen'. Unsere Hingabe ist nicht vorbehaltlos. Unsere Wahrhaftigkeit ist gebrochen. Unsere Liebe ist nicht völlig. Unsere Güte ist nicht absichtslos. Wir sind nicht frei von liebewidrigem Eigenwillen und Eigentum. So ist es das Kind, das uns zum Evangelium führt.“ - Hat Eberhard Arnold behauptet.

Das kann in diesen Tagen ein Weihnachtsweg sein. Und nun die Überraschung: Wer sich so wie ein Kind auf Gottes Vorstellungen von der Welt einlässt, landet gerade wieder bei einem Kind – in der Futterkrippe in Bethlehem. Und verstörender Weise auch auf dem Galgenhügel vor den Toren Jerusalems, wo die Mission dieses Kindes zwar nicht endet, aber dort hat sie sich erfüllt. Vorbehaltlose und selbstlose Hingabe, radikaler Verzicht auf Anerkennung und Wohlleben, völlige Liebe, absichtslose Güte: In der Krippe und am Kreuz.   



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