/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Erst mal ich

Elke Drossmann über Haggai 1, 9

Bibelvers

Ihr erwartet wohl viel, aber siehe, es wird wenig; und wenn ihr’s schon heimbringt, so blase ich’s weg. Warum das?, spricht der HERR Zebaoth. Weil mein Haus so wüst dasteht; ihr aber eilt, ein jeder für sein Haus zu sorgen.

Haggai 1,9

Erst mal ich. Das ist für unsere Gesellschaft so normal geworden, dass es mir auffällt, wenn einer Rücksicht nimmt. 

Erst mal ich. Ist keine neue Entwicklung. Schon vor tausenden von Jahren sagten Israeliten: „Erst mal ich.“ Erst mal, mein Haus aufbauen. Schließlich braucht alles seine Zeit. So lange sind wir noch gar nicht zurück aus der Babylonischen Gefangenschaft. Wir müssen uns erst mal orientieren. Das Land bebauen. In ein normales Leben zurückfinden.

Erst mal ich. Diese menschliche Haltung macht Gott nicht mit. Erst mal Gottes Haus bauen. Das ist von Gott her angesagt. Im Buch Haggai (1,9) sagt er seinem Volk Israel: „Ihr habt viel erhofft, aber nur wenig bekommen. Und selbst das Wenige, das ihr nach Hause brachtet, blies ich noch fort. Warum ist das wohl so? Ich, der HERR, der allmächtige Gott, kann es euch sagen: Weil mein Tempel verwüstet daliegt und ihr nichts dagegen tut! Jeder von euch kümmert sich nur um sein eigenes Haus.“

Gott greift in die Abläufe von Saat und Ernte ein. Die Ernte fällt viel geringer aus als erwartet. Wenn einer gearbeitet hat, ging es nicht so richtig von der Hand. Und alles, weil der Tempel, das Haus Gottes noch eine Ruine war.

Gut, das betraf das Volk Israel damals. Kann ich mich heute nicht zurücklehnen? Für uns Christen gibt es kein zentrales Kirchengebäude mehr und ob eine Kirche mehr oder weniger verfällt, ist das nicht egal? Möglicherweise ja. Doch vom Prinzip her: Erst mal Gott, dann ich. Das gilt auch heute noch. Woran merke ich das? An dem zentralen Gebet: Dem Vaterunser. Wenn ich das Vaterunser bete, lerne ich: Erst mal Gott!

Gottes Name soll geheiligt werden. Mich also nicht darum kümmern, dass mein Name in aller Munde geführt wird. Gottes Reich soll gebaut werden, nicht mein kleines persönliches Reich. Gottes Wille soll geschehen. Es geht nicht darum, dass ich meinen Willen durchsetze.

Wenn ich so lebe, wird mein Tag heute anders verlaufen.

 


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