/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Heilig’s Blechle

Oliver Jeske zu 5. Mose 11,16

Bibelvers

Hütet euch aber, dass sich euer Herz nicht betören lasse, dass ihr abfallt und dient andern Göttern und betet sie an.

5. Mose 11,16

Vor einigen Wochen haben wir unser neues Familienauto bestellt. Wir sind in den vollen Genuss der Diesel-Abwrack-Prämie unseres Herstellers gekommen. Da war sogar ein schickes Glasdach drin. Na, und auf das beheizbare Lenkrad freue ich mich auch. Und der dunkelblaue Lack, den sollte man schon mal vorher in Echt gesehen haben …

So oder ähnlich bin ich meiner Familie in den letzten Wochen auf die Nerven gegangen. Bis meine Frau zu mir gesagt hat: „Übertreibst du es nicht ein Bisschen?“ Auch wenn man sich nicht alle Tage ein neues Auto aussuchen darf: Sie hat Recht. Spätesten als ich auch die letzte Fußnote im Katalog ausführlichst studiert hatte, war mir klar: Hier hat mich etwas gefangen genommen – mehr als es für mich persönlich gut war.

Die Bibel mahnt uns: „Nehmt euch in Acht und lasst euch nicht dazu verleiten, dem HERRN untreu zu werden. Verehrt nicht andere Götter, dient ihnen nicht.“ (5. Mose 11,16)

Nun hatte ich wirklich nicht vor, für unser neues Auto meine Beziehung zu Gott an den Nagel zu hängen. Und doch wusste auch schon ein Martin Luther zu Zeiten weit vor der Industriellen Revolution: Es gibt materielle Dinge, die können uns mehr bestimmen, als uns gut tut. Der Reformator kleidete das in die Worte: „Woran du aber dein Herz hängst, das ist dein Gott.“

Ja, ich freue mich darauf, wenn ich im Neuen Jahr unser Auto beim Händler abholen darf.  Aber ich nehme mit fest vor: Wenn mein Sohn dann den Führerschein gemacht hat und die erste Parkschramme hineinfährt, will ich gelassen bleiben. Es mag verrückt klingen, aber ich will sogar dankbar reagieren: Weil ich Gott kenne. Und weil deshalb nicht mein Auto zu meinem Gott werden muss.


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