/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Durchschaut!

Hans Wagner über Mt. 26,75

Bibelvers

Petrus dachte an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Matthäus 26,75

„Ja – du hast mich durchschaut!“ Oft sind es eher lustige Momente, in denen ein solcher Satz fällt. Wenn meine Frau mich fragt „Hast du heute noch Zeit?“, dann antworte ich schon mal mit der Gegenfrage „Was möchtest du, dass ich tue?“ Und dann kommt von ihr: „Ahhh – du hast mich durchschaut. Ja, die Dusche läuft so schlecht ab, die müsste mal wieder gereinigt werden!“ Oder wenn ihr Neffe meine Frau fragt: „War es denn schön in eurem Urlaub?“ dann hat sie ihn natürlich schnell durchschaut. Seine eigentliche Frage lautet ja: „Hast du mir was mitgebracht?“

Neben diesen eher humorvollen Situationen gibt es aber auch welche, in denen es sehr schmerzhaft sein kann, wenn man durschaut wird. Ein extremes Beispiel dafür ist die Geschichte des Apostels Petrus. Der hat ja nach der Gefangennahme von Jesus dreimal bestritten, dass er Jesus kennt, als dann plötzlich der Hahn krähte. Und dann heißt es im Matthäusevangelium: Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Jesus hatte Petrus durchschaut, damals schon, als er ihm diese Situation prophezeite. Und als Petrus das erkannte, liefen ihm die Tränen. Es tut weh, sein eigenes Versagen vor Gott zu erkennen, erst recht, wenn es einem vorher schon angekündigt wurde. Trotzdem hat diese Szene einen großen Trost für mich: Ich kann Gott nichts vormachen und ich muss es auch nicht. Er kennt mich sowieso – besser, als ich mich kenne. Und: er liebt mich trotzdem. Das Leben des Petrus nach seinem Versagen ist der beste Beweis dafür!


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