/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Ein Flüchtlingskind

Hans Wagner über Matthäus 2,14.

Bibelvers

Josef stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten.

Matthäus 2,14

Irgendwie mag man es schon gar nicht mehr hören, das Thema „Flüchtlinge". Gerade in den letzten Tagen wurde schon wieder sehr viel diskutiert, vorgeworfen, verurteilt, gestritten und Grenzen überschritten. Aber grundsätzlich gilt doch: Wenn jemand in unserem Land Unrecht tut, ist es egal, welcher Herkunft er ist. Unrecht muss bestraft werden, und dafür haben wir ein funktionierendes Rechtssystem. Warum werden Taten von Flüchtlingen aber oft noch mal besonders an den Pranger gestellt? Haben so viele von uns so Vieles vergessen?

Ich bin selbst ein Flüchtlingskind, wie viele andere in meiner Generation. Meine Mutter hatte bis zu ihrem Tod vor zwei Jahren mit dem Verlust ihrer Heimat im heutigen Polen zu kämpfen. Für sie gab es dabei auch keine Option, eines Tages in ihre Heimat zurückzukehren zu können. Und Flüchtlingskinder – wir haben es mit Heimat manchmal auch nicht so einfach. Aber wir haben einen, der uns versteht: Jesus!

„Da stand Josef auf und nahm das Kind (also Jesus) und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten.“ so steht es im Matthäusevangelium. „Flieh nach Ägypten – der Machthaber des Landes will das Kind töten.“ so hatte es der Engel kurz vorher zu Josef gesagt. Flucht aus der Heimat, aus einer lebensbedrohenden Situation. Gott war ein Flüchtlingskind - darauf angewiesen, in einem fremden Land Schutz zu finden.

Ist nicht unser ganzes Leben so etwas wie eine Fluchtsituation? Wir suchen nach einer Heimat, die wir verloren haben. Gott hält sie für uns bereit - hier und jetzt. Er weiß, wie es uns geht, denn er war ja auch ein Flüchtlingskind.


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