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„Wichtig ist, mit seinen Kindern zu reden“

Wie man anhand eines Kinderbuches Kindern den Holocaust nahe bringt.

Der 27. Januar erinnert als internationaler Holocaustgedenktag an die Befreiung der Juden durch die Rote Armee aus dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz der Nationalsozialisten vor 75 Jahren. Noch gibt es einige hochbetagte Zeitzeugen. Sie aber werden immer weniger. Doch wie kann man nachfolgenden Generationen auch ohne Zeitzeugen den Holocaust vermitteln? Hans Wagner spricht mit Tobias Schier über ein Kinderbuch, das sich genau dieser Herausforderung gestellt hat: „Die letzte Haltestelle – Die Zeit des Nationalsozialismus“.

Das Gespräch im Wortlaut:

ERF Medien: Tobias, ein Kinderbuch zu diesem schweren Thema? Ab wieviel Jahren ist das Buch denn einsetzbar?

Tobias Schier: Ab 9 Jahren – und  es ist wirklich ein gutes Kinderbuch zum Thema Natinalsozialismus und Judenverfolgung.

ERF Medien: Was macht das Buch in deinen Augen gut?

Tobias Schier: Die Figuren, die Geschichte, das Thema. Im Mittelpunkt steht die ca. 6-jährige Beatrix. Sie ist als jüdisches Mädchen zusammen mit ihrer Mutter auf der Flucht aus Amsterdam. Das ist von den Nazis besetzt. Das Mädchen versteht aber gar nicht genau, was eigentlich los ist. Gleich zu Anfang verliert sie ihre Mutter, die von SS-Soldaten abgeführt wird. Da sitzt sie alleine in der Straßenbahn bis am Abend und zur letzten Haltestelle. Gott sei Dank begegnet sie Menschen, die es gut mit ihr meinen. Zwei unbeholfene Straßenbahnfahrer, die von Kindern keine Ahnung haben und deshalb ihre Nachbarin einweihen. Sie beschützen Beatrix und ziehen sie groß in den Gefahren der Judenverfolgung durch die Nazis.

ERF Medien: Wie ist das Buch denn geschrieben?

Tobias Schier: Sehr kindgerecht, und weil sich alles um Beatrix dreht, können sich Kinder sehr schnell mit ihr identifizieren. Auch wenn das Buch eine schlimme Zeit beschreibt  und teilweise sehr traurig ist. Geschrieben ist es wirklich für Kinder und führt diese behutsam und ehrlich an ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte heran.

ERF Medien: Nun ist das Buch auch illustriert - und zwar im Comicstil. Wie geht denn das bei so einem ernsten Thema?

Tobias Schier: Besonders auf die Gesichter und deren Mimik hat der Zeichner Timo Grubing viel wert gelegt. Seine Illustrationen sind in Schwarzweiß gehalten und zeigen treffend, was in den Menschen vorgeht.

ERF Medien: Was ist denn abschließend bei dir hängengeblieben, du hast ja viele Vergleiche, weil du dich regelmäßig mit Kinderbüchern beschäftigst?

Tobias Schier: Eine intensive Zeit mit meiner Tochter. Mit der zusammen habe ich es nämlich gelesen. Das war wichtig, denn so konnten wir über die Zeit des Nationalsozialismus sprechen, und ich konnte ihr Dinge erklären. Eine Frage, die uns besonders umgetrieben hat: Darf man lügen, um das Leben eines 6-jährigen Mädchens zu retten? Das fragte mich meine Tochter völlig unvermittelt und so sind wir ins Gespräch gekommen, und das ist glaube ich das Wichtigste, dass wir mit unseren Kindern die Dinge durchsprechen. Das Buch bietet jede Menge Gesprächsstoff. Mein Fazit: Ein tolles Buch!

ERF Medien: vielen Dank, Tobias Schier.



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