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Halle – ein Jahr nach dem Attentat

Mit Glockengeläut, Friedensgebeten und Schweigeminuten gedenkt Halle der Terror-Opfer.

Dieser Tag hat Deutschland erschüttert: Heute vor einem Jahr verübte ein Attentäter einen Anschlag auf die Synagoge in Halle. Zwei Menschen fanden den Tod, nur knapp konnte ein Blutbad verhindert werden. Der Attentäter hatte sich den höchsten jüdischen Feiertag für seine Tat ausgesucht: Jom Kippur. Mehr als 50 Menschen waren in der Synagoge versammelt, um gemeinsam zu beten und zu fasten. Heute, ein Jahr später, steht Halle ganz im Zeichen des Gedenkens an die Opfer dieses Terroraktes. Unsere Kollegin Regina König war vor einem Jahr berichterstattend auch vor Ort. 

ERF Medien: Eine Holztür hat vor einem Jahr ein Massaker verhindert. Der Attentäter hatte versucht, mit Schüssen diese Tür zu knacken, es ist ihm nicht gelungen und so erschoss er wahllos eine Passantin und einen jungen Mann in einem Döner-Imbiss. Was hatte es mit dieser Holztür auf sich?

Regina König: Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mich mit vielen anderen Journalisten darüber wunderte, dass diese eigentlich unscheinbare Holztür den Attentäter aufhalten konnte. Sie ist in eine Mauer eingelassen, die die Synagoge umgibt. Später stellte sich heraus, dass sich tatsächlich in dieser Tür keine Sicherheits-technik befand, sondern die Bauweise aus massiver Eiche den Schüssen standgehalten hatte.  Nun ist eine neue Tür eingebaut und die alte mit den Einschusslöchern ist zum Bestandteil eines Mahnmals geworden, das heute Nachmittag eingeweiht wird auf dem Synagogen-Gelände.  

 

ERF Medien: Doch die neue Tür ist nicht die einzige Sicherheitsmaßnahme, die seit diesem Attentat in Halle ergriffen worden ist.

Regina König: Nein, auch die Polizeipräsenz wurde erhöht und das Land Sachsen-Anhalt stellt für den Schutz jüdischer Gemeinden in den nächsten zwei Jahren etwa 2,4 Mill. Euro zur Verfügung. Mit jeder Gemeinde wird dabei ein individuelles Schutzkonzept ausgearbeitet.

 

ERF Medien: Was weiß man bisher über den Attentäter?

Regina König: Im Juli wurde der Prozess gegen ihn eröffnet. Er ist 28 Jahre alt und kommt aus Sachsen-Anhalt. Er lebte noch mit seiner Mutter zusammen und wohnte in seinem Kinderzimmer. Im Schuppen seines Vaters soll er Waffen gebastelt haben und er war aktiv im Internet: Die Polizei hat Dateien sichergestellt, die voll sind mit nationalsozialistischen und antisemitischen Inhalten. Reue oder Empathie für die Opfer zeigt er nicht. Vielmehr hat er vor Gericht bestätigt, dass er in der Synagoge auch Kinder erschossen hätte. Den Holocaust leugnet er.

 

ERF Medien: Wie geht es der jüdischen Gemeinde heute?

Regina König: In einer Pressemitteilung ist zu lesen, dass „alle Mitglieder der Jüdischen Gemeinde zu Halle nach wie vor zutiefst erschüttert sind über das schreckliche Ereignis vom 9. Oktober 2019“. Ziel müsse es sein, „dass alle Gläubigen wieder mit Freude und einem guten Gefühl am Gemeindeleben teilnehmen können.“ In Interviews betont der Vorsitzende der Gemeinde, Max Privorozki, aber auch immer wieder, dass er überrascht sei über die große Welle der Solidarität. Denn sehr viele Menschen aus Halle, aber auch aus ganz Deutschland, haben sich mit Mails oder Briefen an die Gemeinde gewandt und ihr Mitgefühl ausgedrückt. Das war offenbar ein großer Trost.   

 

ERF Medien: Wie wird Halle heute nun diesen Gedenktag begehen?

Regina König: Der Bundespräsident kommt und gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, wird er an einer Gedenkveranstaltung teilnehmen. Mit dabei auch, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Kränze werden niedergelegt vor der Synagoge und dem Döner-Imbiss. Auch die Christen der Stadt gestalten das Gedenken mit: Um 12.01h, zu Beginn der Tatzeit, werden alle Kirchenglocken in Halle läuten und das öffentliche Leben wird für drei Minuten stillstehen. Mittags und abends lädt Landesbischof Kramer mit seinem katholischen Kollegen zu einem Friedensgebet in die Marktkirche ein. Am Abend treffen sich dann Juden und Christen gemeinsam in der Synagoge.



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