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Den Schalter umdrehen

Roland Werner über Römer 12,21.

Der Audio-Beitrag steht ab dem 21.10.2018 zur Verfügung.

Nach der hohen Theologie, die Paulus im Brief an die Römer entfaltet, und die in der Geschichte der Kirche immer wieder neue Aufbrüche bewirkten, kommt er auf ganz praktische Fragen des Lebens zu sprechen. Wie können wir im Alltag leben? Wie können wir mit Leid, mit Krankheit, mit Lust und mit Frust so umgehen, dass durch uns die Wahrheit und die Liebe Gottes sichtbar werden?

Dies wird besonders deutlich bei der Frage nach dem Bösen, das uns geschieht. Wie reagieren wir, wenn uns Unrecht getan wird? Wenn Menschen uns nicht wohl, sondern übel wollen? Ja, wenn vielleicht die ganze Gesellschaft gegen uns steht und uns bedrängt?

Das war häufig die Situation der frühen Christen: Sie wurden ausgegrenzt und verfolgt. Gerade in Rom stellte sich die Gewalt des Kaisers gegen sie in der Zeit, in der Paulus diesen Brief schrieb. Er selbst sollte das einige Jahre danach am eigenen Leib erfahren, als er unter Nero oder dessen Nachfolger zum Tod verurteilt wurde.

Viele der frühen Christen waren Sklaven. Als Leibeigene konnten sie nur sehr eingeschränkt und begrenzt über ihr eigenes Leben bestimmen. Sie waren oft schutzlos den Schikanen ihrer Besitzer, ihrer Herren ausgeliefert. In solch einer Situation bekommt der Ratschlag von Paulus noch eine besondere Brisanz: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“ Das kann man nur, wenn man sich ganz bewusst dazu entscheidet. Das kann man nur, wenn man sich seines eigenen Wertes bewusst ist und dadurch innerlich frei wird.

Das Böse nicht nur erdulden, sondern aktiv überwinden erfordert wirkliche Größe und Kraft. Dass Paulus den Christen das zutraut und zumutet, zeigt, dass er von ihrer inneren Stärke überzeugt ist. Und dass sie sich als Nachfolger von Jesus bewähren, der auch nicht seine Macht ausspielte, sondern das Unrecht ertrug bis zum Kreuz und sich gerade dadurch als stärker erwies als alle seine Feinde.

Das Böse mit Gutem auszuschalten kann nur der, der den Schalter umlegt. Wenn wir umschalten auf Vertrauen und Vergebung, auf Dank und Hoffnung, auf Demut und Liebe, können auch wir – wie damals Jesus – das Unrecht ertragen und überwinden. Statt Opfer zu sein und zu bleiben, treten wir auf die Seite des Siegers. Nicht durch Gegendruck, sondern durch die Identifikation mit dem, der Liebe in Person ist.


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