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Die richtige Adresse

Als ich noch ein Kind war, musste ich manchmal, Gott sei Dank!, eher selten zum „Onkel Doktor“. Unser Hausarzt war für alles zuständig, von Mumps über Masern bis zur Mandelentzündung. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass es mehr als eine Art von Arzt gibt.

Heute weiß ich es natürlich viel besser. Seit Jahren in einer Universitätsstadt lebend, umgeben von unzähligen Medizinstudenten, Pflegern, Schwestern, Sanitätern, Hebammen und Ärzten, weiß ich, dass es für jedes Krankheitsbild und jedes Problem mindestens einen Spezialisten gibt, vom Neurologen über den Nephrologen bis zum Narkosearzt. Dafür bin ich dankbar, denn ich erhoffe mir für meine Beschwerden schließlich auch fachkundige und wirklich hilfreiche Behandlung.

Doch ist das Spezialistentum auch in Sachen Religion und Glauben angebracht? Manche Zeitgenossen stellen sich das so vor und stellen sich deshalb ein religiöses Potpourri zusammen, eine Art Glaubenseintopf, in dem alles Mögliche seinen Platz findet: Ein bisschen Buddhismus für die Seelenruhe, ein bisschen Christentum für die Nächstenliebe, ein bisschen Esoterik für alle Fälle und ein bisschen Atheismus für das pseudo-wissenschaftliche Mäntelchen. So neu ist diese Religionsvermengung übrigens gar nicht. Schon im alten Rom stand ein Pantheon, ein Tempel für alle Götter, die von Bedeutung waren. Ein späterer römischer Kaiser wollte auch Jesus Christus in diese friedliche Runde aufnehmen. Sicher ist sicher, und es kann ja nicht schaden, einen Gott mehr in seinem Leben zu haben – schließlich haben sich die Götter wahrscheinlich – wie unsere heutigen „Götter in Weiß“ auf bestimmte Themen und Probleme spezialisiert: Hermes bzw. Merkus auf das Thema Reisen, Hera auf die Familie, Mars auf den Krieg, Venus auf die Liebe und so weiter und so fort.

Auch in manchen christlichen Traditionen klingt diese in Zuständigkeitsbereiche aufgeteilte religiöse Sicht noch nach: Da gibt es spezialisierte Heilige, die z.B. bei einer Reise, beim Thema Gesundheit, oder dem Schutz vor bestimmten Krankheiten und Gefahren helfen sollen. Diese so genannten Nothelfer sind alle auf bestimmte Themen eingeschossen.

Jeremia aber, der alttestamentliche Prophet, der in schwersten Zeiten als Bote Gottes zum Volk gesandt wurde, hält von alle dem nichts. Er richtet sich ganz allein und ausschließlich auf Gott aus: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen!“ Mit diesem Gebet macht er deutlich, von wo er sich allein Hilfe erhofft. Jahwe, der Herr, der Gott Israels, ist es, auf den er vertraut. Bei ihm weiß er sich ganz grundsätzlich an der richtigen Adresse. Für ihn, den Herrn, ist kein Problem zu groß und keine Sorge zu klein, kein Anliegen zu unbedeutend und kein Problem zu schwer.  Wer seine Hoffnung auf ihn setzt, wird nicht enttäuscht. Das Vertrauen auf den Herrnläuft nicht ins Leere.

Diese Ausschließlichkeit wird auch in der ersten Frage und Antwort des Heidelberger Katechismus betont: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Dass ich mit Leib und Seele, sowohl im Leben als auch im Sterben, nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre…“ Bei ihm sind wir wirklich an der richtigen Adresse, für die Zeit unseres Lebens und für die Ewigkeit.

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