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Endlich angekommen

Ausländer! Das Wort hat fast automatisch einen negativen Beigeschmack. Wer ein Ausländer ist, hat nicht die gleichen Rechte wie ein – na ja, das Wort „Inländer“ gibt es nicht wirklich. Also: Wie ein Einheimischer, ein Staatsbürger. Nicht nur heute war dieser Unterschied bedeutsam. Es ist ein allgemein menschliches, ein universales Problem. Die einen sind die Einheimischen, Stammesgenossen, die anderen sind Fremde.

So unterscheiden wir Menschen. Immer wieder. Die Einen gehören dazu, die anderen nicht. Das ist auch kein rein westliches Problem. Nein, die traditionellen Stammesgesellschaften in Afrika funktionieren nach demselben Prinzip, und besonders deutlich das Kastensystem in Indien, das die Herrschaft und die Privilegien der höheren Kasten gegenüber den niedrigeren und natürlich erst recht gegenüber den Kastenlosen, die so genannten Unberührbaren, zementiert und religiös  legitimiert.

Auch zur Zeit des Apostels Paulus war es nicht anders. Die Griechen sahen alle anderen als „Barbaren“ an, die Römer reservierten das volle Bürgerrecht in ihrem Vielvölkerstaat für sich selbst und eine kleine Gruppe von Auserwählten. Die Juden unterschieden deutlich zwischen ihnen, dem Volk Gottes, den Nachfahren von Abraham, Isaak und Jakob, und den übrigen Völkern, den Heiden.

So gab und gibt es unzählige Zäune zwischen Menschen, Mauern, die uns voneinander trennen. In diese Situation hinein schreibt Paulus an die Christen in der Weltstadt Ephesus. Sie war ein Schmelztiegel der Nationen, eine multikulturelle Metropole wie wenige andere. Und doch galten auch hier dieselben Unterscheidungen, herrschten die gleichen Trennungen wie überall.

In der Gemeinde von Jesus jedoch, so betont Paulus immer wieder, soll und darf es jedoch keine von Menschen gemachten Mauern zwischen den verschiedenen Gruppen geben. Jesus hat am Kreuz die Trennung  zwischen Gott und Mensch überwunden. Und er hat die Mauern zwischen Menschen niedergerissen. Jeder, ob Jude oder Grieche, ob reich oder arm, ob Mann oder Frau, ob Erwachsener oder Kind, jeder, der an Jesus glaubt, gehört dazu. Jeder, der Jesus nachfolgt, ist ein Bürger in Gottes Reich, das alle irdischen Reiche überwindet.

Dies sollen die jungen Christen in Ephesus wissen: Sie gehören dazu. Auch wenn der römische Staat sie verfolgt, wenn die Synagoge sie ausschließen sollte und die heidnischen Gilden – wie schon zur Zeit der Gründung der Gemeinde geschehen, nachzulesen in Apostelgeschichte 18 – einen stadtweiten Aufruhr gegen sie organisieren, das kann ihnen keiner nehmen. Sie sind zuhause bei Gott. An seinem Tisch sind sie nicht nur geduldete Gäste auf Zeit, sondern sie sind vollwertige Mitglieder seiner Familie. Diese Gewissheit gibt ihnen Kraft und stärkt ihre Identität, so dass sie, allen Widerwärtigkeiten und Anfeindungen zum Trotz, als Kinder Gottes leben können, als Kinder des Lichts.

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