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Der göttliche Lastenausgleich

Soll ich der Hüter meines Bruders sein? So fragt ganz am Anfang der Bibel Kain, als Gott ihn nach dem Verbleib seines Bruders Abel fragt. Mit seiner gespielten Empörung will er sich selbst rechtfertigen und davon ablenken, dass er nicht seines Bruders Hüter war, sondern zu dessen Mörder geworden ist.

Soll ich meines Bruders Hüter sein? Die Antwort ist ein eindeutiges Ja. Dazu sind wir bestimmt, dass wir Menschen aufeinander achten und füreinander sorgen. Jesus fasst die Gebote in diesem Doppelgebot zusammen: Wir sollen Gott lieben mit ganzer Hingabe, und unseren Nächsten genauso, wie wir uns selbst lieben. Die Bruderliebe gehört zu den grundlegenden Selbstverständlichkeiten der Nachfolge von Jesus, der selbst unser Bruder geworden ist.

Deshalb ist das Auseinanderreißen dieser beiden Beziehungen auch vollkommen entgegengesetzt zur Botschaft des Evangeliums. Die entschiedene Ausrichtung unseres Lebens auf Gott und die ganzheitliche Zuwendung zu unserem Nächten gehören untrennbar zusammen. Deshalb ist es auch folgerichtig, dass in den Briefen von Paulus an die neu entstandenen Christengemeinden immer beides betont wird: Die Darstellung von dem, was Gott in Jesus getan hat, also die Dogmatik, und die Darlegung dessen, wie wir als Antwort darauf leben können und sollen, also die Ethik.

Diese Wegweisung, die Last des anderen, des Nächsten, zu tragen, ist die Folge der Erfahrung der Gnade Gottes, die Paulus im Brief an die Christen in Galatien so nachdrücklich betont. Wenn wir die Gnade und Liebe Gottes wirklich verstehen, wird uns dies zu einem Leben der Liebe und der Hingabe für andere motivieren. So wie Jesus unsere Last getragen hat, werden wir bereit, auch die Lasten anderer zu tragen.

Dass wir dabei letztlich auf der ganzen Linie Gewinner sind, dürfte auch klar sein. In einer Gemeinschaft zu leben, in der das zur Grundmelodie gehört, aufeinander zu achten, füreinander einzustehen und einander zu unterstützen, kann und wird nur gut tun. Der gegenseitige Lastenausgleich macht das Leben nicht nur erträglich, sondern drückt etwas von der Selbstlosigkeit, der Barmherzigkeit und der bedingungslosen Liebe aus, die Jesus verkörpert und schenkt. In der Mitte des Jahres ist diese Ermutigung, die Lasten der anderen zu tragen, eine notwendige Erinnerung. So kann unser Leben in unserer unmittelbaren Gemeinschaft, in der christlichen Gemeinde und in der Gesellschaft gelingen.


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