/ ERF WortGut

Das Geheimnis der Trinität

Es ist eine gewaltige Vision, die Jesaja geschenkt wird. Er darf den Thron Gottes schauen. Das, was er sieht, kann er nur mit stammelnden Worten beschreiben. So gewaltig ist es. Allein der Saum des Gewandes Gottes erfüllt den großen Tempel in Jerusalem.

Jesaja kann Gott selbst nicht beschreiben. Stattdessen spricht er von den Engeln, genauer, von den Seraphim, die um Gottes Thron herum sind. Seraphim nennt er sie, Brennende, im Feuer Lebende, so kann man dieses Wort vielleicht übersetzen. Und dann ist da noch ein Beben und ein Rauch, der alles erfüllt. Jesaja scheint Sehen und Hören zu vergehen.

In all dem Getöse hört er das Wort: Heilig. Dreimal rufen die Seraphim es aus: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Der Herr der Heere, der Befehlshaber über die Armeen des Himmels. So preisen sie ihn. Das Dreimal-Heilig vernimmt und versteht Jesaja. Und doch übersteigt alles, was er hört und sieht, sein Aufnahmevermögen.

„Weh ist mir, denn ich vergehe!“ So ruft er es aus. Er ist an eine Grenze gekommen, ja, er konnte einen Blick über diese Grenze tun. Und dort erfährt er vom dreimal heiligen Gott. Von ihm, der im Alten Testament an manchen Stellen zu erahnen ist und der uns im Neuen Testament noch deutlicher vor Augen tritt: Der Vater, der Sohn, und der Geist der Heiligkeit.

Trinitas, Drei-Einheit. So lautet die Wortschöpfung des Kirchenvaters Tertullian, der dieses Geheimnis Gottes zu beschreiben versucht, der alle diesseitigen Dimensionen übersteigt. Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit – diese Begriffe sind Versuche, dieses Wort zu übersetzen.

Doch wir merken, dass unser Denken und Spekulieren, unsere Theologie und Philosophie hier an Grenzen stößt.  Deshalb ist auch die angemessenste Antwort auf die Offenbarung des ewigen, lebendigen, alles übersteigenden Gottes auch nicht unsere denkerische Analyse, sondern unsere ganzheitliche Anbetung.

Gott ist nicht verstehbar, keine mathematisch fassbare Einheit, nicht den Zwängen unserer Logik unterworfen. Die Innendimensionen seines Wesens sind für uns nicht erfassbar und bleiben ein unerforschbares Geheimnis. Und doch gibt er sich uns zu erkennen. „Alle Lande sind seiner Ehre voll!“ Das ist ein Teil seiner Selbstoffenbarung, seiner Selbstentäußerung, dass er uns etwas von seiner Ehre sehen und erleben lässt. In der Schöpfung, in der Menschwerdung Jesu, im Kommen des Geistes.

Dreimal heilig, so ist er, der ewige Gott. Uns bleibt nur, ihn anzubeten, und das zu ergreifen, was er uns schenkt: Seine Nähe, seine Barmherzigkeit, seine Wahrheit. Wenn wir nur ein Bruchstück davon begreifen, werden wir, wie Jesaja, zu Boden geworfen werden. Und dann werden wir neu aufgerichtet, und in Gottes Namen reden und handeln.

Cookies helfen uns, Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutz und Cookie Richtlinien sowie der Speicherung von Daten im Rahmen des EU-US Privacy Shield zu. Mehr erfahren