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Gottes geheime Geschichte

„Kommt her und sehet an die Werke Gottes!“ Diese Aufforderung des Psalmbeters scheint auf den ersten Blick so einfach und klar zu sein. Und doch liegt in ihr eine ungeheure Spannung.  Geht das denn so einfach? Wer kann schon Gottes Werken auf die Spur kommen? Woran können wir erkennen, ob etwas ein Werk Gottes ist? Und wo sehen wir Dinge und Ereignisse, die wir eindeutig als solche Werke Gottes identifizieren können?

Und der zweite Teil der Aufforderung hat es dann erst recht in sich: „…der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.“ Können wir das so einfach und ungebrochen nachsprechen? Müssen wir nicht vielmehr sagen, dass uns vieles in dieser Welt rätselhaft und unverständlich erscheint? Ja, ist nicht vieles von dem, was Gott in der Weltgeschichte zulässt, furchtbar und schrecklich?

Dass wir so fragen dürfen, machen die Psalmen an vielen Orten deutlich. Unsere Zweifel an Gott, unsere offenen Fragen, ja unsere Verzweiflung und unser Unverständnis dürfen wir nennen und vor ihn tragen. Da ist der richtige Ort dafür. Gott hält das aus, ja, er will das aushalten. Ihm dürfen wir unser Leid klagen und auch unseren Schmerz über vieles, was in dieser Welt an Unbegreiflichem geschieht.

Erst wenn wir diesen ersten Schritt gegangen sind, hören wir die Aufforderung des Psalmbeters richtig. Ja, gerade nachdem wir das vor Gott genannt haben, was wir nicht verstehen, wo wir seine Werke und Wunder nicht wahrnehmen können, macht diese Aufforderung richtig Sinn: „Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.“

Hier erreicht uns eine Einladung, noch einmal hinzuschauen. Genauer und tiefer zu schauen. Erst wenn wir uns dafür Zeit nehmen, wenn wir wirklich kommen und schauen, können wir anfangen, Gottes verborgenes Wirken in und hinter den Ereignissen der Welt- und Menschheitsgeschichte zu entdecken. Dem oberflächlichen Blick bleibt es verborgen. Doch wer innehält und aufmerksam beginnt, Gottes Werk und Wesen zu betrachten, dem öffnen sich ungeahnte Durchblicke. Und er bekommt einen Einblick in Gottes verborgene Geschichtsführung.

Gottes größtes Werk ist seine Selbstoffenbarung in Jesus. Gottes wunderbarstes Werk ist das Kreuz, die Offenbarung seines Wesens. Hier zeigt er uns, wie er im Innersten ist: Barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte. Hier legt er sein Herz offen. Das Herz, das brennt vor Liebe für jeden Menschen.

Beim Anschauen dieses größten Werkes Gottes wächst unser Vertrauen und unsere Erwartung, dass er auch in seinen übrigen Werken gute Pläne mit uns hat. Und wir fangen an, es zu ahnen, und darüber zu staunen, dass er im Geheimen seine gute Geschichte weiter voranbringt. Dass er Segenswege vorbereitet mitten in dieser unserer Welt.

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