/ Wort zum Tag

Zuhause bei Gott

Jutta Schierholz über Epheser 2,19.

Bibelvers

Ihr seid nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

Epheser 2,19

Ich reise ja für mein Leben gern. Ich bin gerne unterwegs, ich schaue mir schöne Städte an, ich wandere durch liebliche Landschaften, ich sitze am Meer oder ich entdecke neue interessante Sitten und Gebräuche. Das macht mir großen Spaß und das bereichert mich enorm.

Meistens übernachte ich dann als Gast in einer Pension oder einem Hostel. Das heißt: Ich zahle einen bestimmten Preis und bekomme dafür ein Bett für die Nacht. Frühstück ist dann gewöhnlich von sieben bis neun im Speisesaal, und um zehn soll ich dann bitte wieder unterwegs sein. Denn dann wird das Zimmer gereinigt und die nächsten Gäste kommen.

Das ist praktisch. Ich bekomme alles, was ich brauche – ein Bett, eine Dusche und ein Essen –  und dann bin ich sowieso wieder unterwegs. Dafür ist es natürlich auch sehr unpersönlich. So ein Hostel ist kein Ort, wo ich für länger wohnen möchte. Das soll es ja auch gar nicht sein. Hier bin ich einfach nur ein Gast für die Zeit meines Aufenthalts, mehr nicht.

Etwas ganz anderes ist es aber, wenn ich am Ort jemanden kenne, bei dem ich wohnen darf. Freunde, die mir vertraut sind und die sich auf meinen Besuch freuen. Das finde ich noch viel schöner. Die Freunde richten mir dann liebevoll eine Schlafgelegenheit ein. Vielleicht ist es einfach nur ein Sofa, und das ist dann nicht ganz so bequem wie ein Bett im Hostel. Aber das ist mir so egal, wenn ich dafür mit einer Umarmung, einem Abendessen und guten Gesprächen empfangen werde. Die Freunde zeigen mir, wo ich mich im Kühlschrank bedienen kann, sie geben mir Tipps, wo ich abseits der Touristenströme spannende Dinge entdecken kann, sie erzählen mir vom Leben an diesem Ort. Damit machen sie meine Reise noch viel interessanter, als ich sie mir selbst hätte ausdenken und planen kann.

Manchmal bekomme ich sogar einen Hausschlüssel, damit ich kommen und gehen kann, wie ich will. Ich muss hier nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt am Frühstückstisch sein. Ich muss mein Zimmer nicht Punkt zehn Uhr geräumt haben. Ich darf meine Habseligkeiten hier liegen lassen. Es fühlt sich ein bisschen an wie zuhause.

So ähnlich stelle ich mir das vor, was Paulus an die Christen in Ephesus schreibt. In Epheser 2,19 schreibt er: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“

Bei Gott habe ich nicht nur ein Bett mit Frühstück in einem unpersönlichen Gebäude, das nach Desinfektionsmittel und Hausordnung riecht. Ich muss hier nicht Angst haben, zu verschlafen und nach neun kein Frühstück mehr zu bekommen.

Gott hat für mich einen Platz vorbereitet, einen Ort, wo ich bei ihm zuhause sein darf. Bei Gott darf ich im Wohnzimmer die Füße hochlegen und erzählen, wo ich gerade herkomme, was ich erlebt habe und was ich noch vorhabe. Und Gott interessiert sich dafür. Ich darf auch Gott zuhören, was er erzählt. Oder ich darf auch einfach nur da sein. Ich habe Zugang zu vielen Räumen, ich darf nach Belieben ein- und ausgehen, denn ich habe den Schlüssel zum Haus. Hier, bei Gott, bin ich zuhause.

Und ich treffe hier noch viele andere von Gottes Hausgenossen. Sie alle sitzen mit am Tisch und erzählen oder sind einfach nur da. Jeder hat seinen Platz, denn Gottes Haus ist geräumig. Hier lässt es sich gut leben – nicht nur auf der Durchreise. Nein, das hier ist ein Ort zum Bleiben.


Kommentare

Von Jutta S. am .

Lieber Herr T., danke für Ihre ausführliche Anmerkung, die ich hier gerade lese! Es freut mich, dass Sie sich so gründlich mit meinem Beitrag befasst haben. Sie haben recht, dass ich hier sehr oft "ich" sage. Das lässt sich, denke ich, aber erklären: Einmal dadurch, dass die Geschichte nun mal von mir handelt - andererseits ist es aber auch eine Vorgabe für Radioandachten, nicht den Hörer direkt anzusprechen, sondern "ich" zu sagen, wenn man auf der Kanzel gerne von "uns allen" oder gar "euch" mehr

Von Pfr.i.R. Dietrich T. am .

Danke für das Wort zum Tag. Meiner Frau und mir fiel nur auch, dass Sie sooo oft das Wort " Ich" in diesem kurzen Beitrag angewandt haben. Habe mir mal den Spaß gemacht und nachgezählt. Wenn ich mich nicht irre waren es 34 Mal. " Ich" bekomme was i c h brauche. Ohne Sie irgendwie zu kennen habe ich spontan zu meiner Frau gesagt, diese liebe Glaubensschwester ist ganz gewiss nicht in der DDR aufgewachsen. Ich denke in keinster Weise daran Sie, liebe Jutta, anzugreifen. Wollte nur mehr

Von Hedy am .

Danke fuer die wundervolle Auslegung, Gott segne Dich Jutta Schierholz! Nachdem ich viel gereist bin, habe ich mich darin erkannt!
Heute sieht mein Leben anders aus und ich vertraue nur noch auf das HAUS GOTTES.

Von Ruth H. am .

Wunderbare Vorstellung.


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