/ Wort zum Tag

Wurzelbehandlung

Wolf-Dieter Kretschmer über 5. Mose 29,17.

Bibelvers

Lasst unter euch nicht eine Wurzel aufwachsen, die da Gift und Wermut hervorbringt.

5. Mose 29,17

Stabübergabe in Israel. Nach der erfolgreichen Flucht aus der ägyptischen Sklaverei und langer Wanderung durch die Wüste ist es soweit. Mose, der Israel vierzig Jahre lang geführt hat, übergibt sein Amt an einen Nachfolger. Doch bevor es dazu kommt, ruft er noch einmal das Volk zusammen, um ihnen einzuschärfen, worauf es ankommt.  

In dieser Rede von Mose fällt ein Satz, der es in sich hat. Mose rät seinen Zuhörern:

„Lasst unter euch nicht eine Wurzel aufwachsen, die da Gift und Wermut hervorbringt“, 5. Mose 29,17.

Diesen Satz kann man auf unterschiedliche Weise deuten:

Zunächst bezieht Mose sich auf den Glauben. Die Israeliten sollen dafür sorgen, dass unter ihnen der Glaube an Gott gelebt wird. Und zwar der reine, kompromisslose Glaube, ohne „Zutaten“ aus anderen Religionen.

Mose weiß, dass genau hier eine Gefahr lauert. Bald werden die Israeliten die Abgeschiedenheit der Wildnis verlassen. Wenn sie in Kanaan siedeln, werden sie früher oder später mit anderen Religionen in Berührung kommen. Die heidnischen Götzen werden ihre Wirkung nicht verfehlen, denn im Gegensatz zum unsichtbaren Gott Israel, kann man diese Götzen sehen und anfassen. 

Mose weiß: Kompromisse nehmen ihren Anfang im Verborgenen. Genauso, wie eine Wurzel im Erdreich zunächst unsichtbar wächst, verhält es sich mit Glaubenskompromissen. Sie beginnen dort, wo niemand das mitbekommt. Und deswegen ist es Mose wichtig, dass seine Landsleute wachsam sind. 

Während ich über Mose nachdenke, frage ich mich: Wie ist das in meinem Leben? Lasse ich mich in meinem Glaubensleben auf Kompromisse ein? Dulde ich Gedanken oder verborgene Verhaltensweisen, die mir langfristig schaden können? 

Ich sehe noch eine weitere Dimension. Moses Erfahrungen als Leiter waren ausgesprochen herausfordernd gewesen. Er hätte allen Grund gehabt, bitter zu werden. Gott hatte ihn zum Führer seines Volks berufen. Anfangs sehr zögerlich hatte Mose diese Berufung angenommen und erlebt, wie Gott sich in eindrucksvoller Weise zu ihm gestellt hatte. Trotzdem war im Volk immer wieder Unzufriedenheit laut geworden. Hatten Menschen seine Rolle hinterfragt, ja, sogar offen gegen Gott und Mose rebelliert?

Mose hat das einzig Richtige getan. Er hat Gottes Nähe aufgesucht und ihm seine Nöte gebracht. Mose hat wieder und wieder Gott sein Herz ausgeschüttet. Dieses Verhalten hat ihn letztlich vor der Verbitterung bewahrt.

Ich möchte mir an dieser Stelle Mose zum Vorbild nehmen. Die Dinge, die mich belasten und wo ich mich ungerecht behandelt fühle, will ich vor Gott tragen. Ich will Gott bitten, dass er mir zeigt, wo es in meinem Leben verborgene Wurzeln der Bitterkeit gibt. Und dann will ich ihn bitten, dass er mir die Kraft zum Handeln gibt. So, wie es in der Redewendung heißt: „Man muss das Übel an der Wurzel packen.“


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