/ Wort zum Tag

Warum nimmt mein Leiden kein Ende?

Bibelvers

Warum nimmt mein Leiden kein Ende? Warum will meine Wunde nicht heilen? Ich setze meine ganze Hoffnung auf dich; aber du lässt mich im Stich wie ein Bach, der im Sommer versiegt!

Jeremia 15,18

Warum nimmt mein Leiden kein Ende? Warum will meine Wunde nicht heilen? Ich setze meine ganze Hoffnung auf dich: aber du lässt mich im Stich wie ein Bach, der im Sommer versiegt!“ Jeremia 15,18

Ich bin Pastor. Ich bin gerne Pastor. Bis auf „manchmal“. Ich erinnere mich an ein solches „manchmal“. Ich war auf einem Friedhof. Es war heiß, unerträglich heiß. Die Hitze erinnerte mich daran, dass es gerade ein Jahr her war, als ich schon einmal hinter einem kleinen, besser gesagt, einem winzig kleinen Kindersarg herging. Ein Kind war zu früh geboren, hatte noch einen Tag gelebt und war dann gestorben. Und jetzt wieder: der Bruder. Auch er war zu früh geboren, auch er hatte nur einen Tag gelebt. Das Grab war zwei Reihen weiter. Diese handvoll Sarg mochte man gar nicht in die Erde tun. Die Eltern waren Christen. Aber das hob das Leid nicht auf. Wie viel Leid kann ein Mensch ertragen? Und wie viel in welchem Zeitraum? Fragen über Fragen. Keine schnellen Antworten. Aber auch keine langsamen. Eigentlich gab es gar keine Antworten.

Ich kann den Propheten Jeremia gut verstehen. Er leidet, aber die Wunde heilt nicht. Wie viel Zeit vergeht da? Und doch setzt er seine ganze Hoffnung auf den Herrn. Aber der lässt ihn im Stich. Er ist wie ein Bach im heißen Israel, der im Sommer einfach vertrocknet. Gibt es wirklich keine Antwort?

Die meisten Menschen gehen ja nicht gern auf den Friedhof, zumindest nicht zu einer Beerdigung. Karl Valentin, der berühmte Komiker, soll ja gelaufen sein, wenn er einen Leichenwagen von Ferne sah. Angst vor dem eigenen Sterben. Angst vor dem Älterwerden. Man merkt, dass das Leben enger wird, dass man viele Dinge nicht mehr so tun kann, wie man sie tun möchte. Man merkt, dass die Zeit verrinnt.

Im Mittelalter gab es eine Strafe, die zum Tode führte. Da wurde man in einer Todeszelle eingeschlossen, und die Wände dieser Todeszelle bewegten sich jeden Tag ein kleines Stückchen weiter aufeinander zu. Zum Schluss wurde man zerquetscht. Langsam, damit es auch ordentlich wehtat.

Es kommt mir vor, als hätten viele Leute so ein Gefühl. Die Mauern des Lebens kommen immer dichter aufeinander zu. Aber was, wenn Jesus durch seine eigene Auferstehung eine Bresche in die Mauern geschlagen hätte? Was, wenn das helle Licht der Ewigkeit jetzt in unsere Zeit fiele? Was, wenn uns der Weg in den Himmel offen stünde? Mich wundert, dass so wenige Leute Christen sind.

So ähnlich predigte ich auch am Grab. Da, wo wir keine Antworten mehr sahen, hielt uns nur eins fest: „Was, wenn wir keinen Heiland hätten?“ Das predigte ich und redete von dem Heiland, der uns nicht abstürzen lässt; wo wir schlimmstenfalls fallen, aber nur in seine Arme; der auch die beiden Kinder jetzt bei sich hat. Und wir dürfen wissen, dass sie uns erwarten, wenn wir dieses Jammertal, unsere Erde verlassen haben und wir einmal im Himmel ankommen. Ja, was wenn wir keinen Heiland hätten? Den, der heil macht. Zuerst die Seele und dann auch manchmal den Körper.

Jeremias Frage oder besser sein Stoßseufzer ist nicht die letzte Aussage. Gott lässt nicht im Stich. Er ist auch nicht wie ein Bach, der im Sommer vertrocknet. Er hat uns Jesus geschickt. Ihn sich vom Herzen gerissen. Deshalb können wir bei Jeremia weiter lesen: „Darum spricht der Herr: wenn du dich zu mir hältst, so will ich mich zu dir halten, und du sollst mein Prediger bleiben. Denn ich mache dich für dies Volk zur festen, ehernen Mauer. Wenn sie auch wider dich streiten, sollen sie dir doch nichts anhaben; denn ich bin bei dir, dass ich dir helfe und dich errette. Und ich will dich erretten aus der Hand der Bösen.“

Was für eine Zusage. Du musst nicht länger jammern, Jeremia!

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