/ Wort zum Tag

Der Preis der Vermessenheit

Bibelvers

Es sollen hertreten und dir helfen die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über dich kommen werde! Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt.

Jesaja 47,13–14

Eine junge, schöne Frau, reich, verwöhnt, in einflussreicher Position. Ihr gehört die Welt, alle liegen ihr zu Füßen, alles hängt von ihr ab.

Und dann kommt der große Knall. Sie stürzt ab in die Bedeutungslosigkeit. Keine schönen Kleider mehr, kein Chefsessel, Macht und Einfluss sind dahin. Stattdessen sitzt sie im Dreck, muss niedere Arbeiten verrichten, verliert ihre Ehre und ihre Würde.

An diese junge Frau sind die Worte der heutigen Losung gerichtet. Allerdings handelt es sich nicht wirklich um eine junge Frau, sondern sie ist ein Bild, das der Prophet Jesaja für die Stadt Babel oder Babylon benutzt. Etwa 150 Jahre vor dem tatsächlichen Eintreten sagt Jesaja der Weltmacht Babylon ihren Untergang voraus.

Was passiert? In Israel herrscht zu Jesajas Zeiten ein ziemliches Chaos. Im Nordreich predigt der Prophet Hosea den Untergang als Gericht Gottes, das 722 v.Chr. durch die Assyrer vollstreckt wird. Im Südreich Juda kommt auch immer wieder Götzendienst auf, es gibt aber auch Könige, die zur Gottesfurcht zurückfinden. So lässt sich der König Hiskia von seinem Hofpropheten Jesaja zur Buße leiten. Am Ende seines Wirkens muss aber auch Jesaja miterleben, wie König Manasse das Volk in den Ruin bringt. Die Weltmacht Babylon vollstreckt das Gerichtsurteil Gottes über Judas Abfall von Gott und führt es in die Babylonische Gefangenschaft.

Wenn aber Babylon den göttlichen Willen ausgeführt hat, wieso wird es dann selbst vernichtet? Um diese Frage geht es im 47. Kapitel des Jesajabuches.  Im 6. Jahrhundert v.Chr. war Babylon Weltmacht, politisches Zentrum, Zentrum des Handels, der Wirtschaft und der Kultur. Es war eine starke Macht.

Die Gefahr für eine starke Macht besteht darin, dass sie vermessen wird. Sie lässt sich schnell dazu verleiten, seine Stärke für selbstverständlich zu nehmen, und beginnt, eigene Maßstäbe zu setzen. Damit misst sie aber mit falschem Maß, sie vermisst sich, sie wird vermessen. Gott erinnert daran, dass alle Macht und aller Reichtum Gaben aus seiner Hand sind. Er ist der Herr der Welt und setzt Regierungen ein, um Länder und Menschen zu regieren, sie zu pflegen und zu schützen und um Ordnung zu erhalten. Wo aber der Bezug zum Geber verloren geht, zerfällt die göttliche Ordnung, da werden Grenzen überschritten, Grenzen gegen Gott und gegen Menschen.

So war es in Babylon: es wurde vermessen und verließ sich auf seinen Reichtum und seine Wirtschaft, auf seine Wissenschaft und seine Kultur. Und es verließ sich auf die falschen Ratgeber, die gegen Gott ihre Weisheit aus den Sternen und Orakeln zu ziehen suchten. Aber all dies hat vor Gott keinen Bestand, verbrennt wie dürres Gras.

Und was bedeutet das für uns heute? Manches hat sich gewandelt in mehr als 2 ½ Tausend Jahren, aber ich meine, die Grundwahrheiten bleiben doch bestehen. Menschen, die Gott vergessen, neigen zur Vermessenheit. Ich sehe es allenthalben, dass sich auch heute hier bei uns Menschen auf Reichtum, Einfluss, Wirtschaft, Handel und Wissenschaft verlassen. „Religion ist Privatsache“, heißt es. Christen aber sollten wissen, dass Gott der Herr der Welt ist und auch unsere Obrigkeit ihm untersteht. Beten wir für unsere Obrigkeit, damit wir ruhig und still leben können (1Tim 2,2)? Reden wir von dem, was Gott für den Menschen will, damit allen Menschen geholfen werden kann (1Tim 2,4)? Mischen wir uns in die Politik ein, damit sie nicht in vermessener Abkehr von Gottes Willen endet?

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