/ Wort zum Tag

Der Herr der himmlischen Wohnung

Bibelvers

So schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht?

Jesaja 63,15

Propheten des achten und neunten Jahrhundert vor Christus hatten schwere Zeiten für Israel vorhergesagt. Mit dem Fall Jerusalems waren diese Prophezeiungen erfüllt. Prophetie, das wurde nun sehr deutlich, war nicht nur Vorhersage, sondern vor allem Warnung vor dem  kommenden Gericht. Viele Propheten haben nie vergessen, diese  Vorhersagen zu verbinden mit der Botschaft von der Gnade Gottes. Dieser gnädige Gott war und ist nicht mit den Augen zu sehen. Sein unsichtbares Reich nennt die Bibel Himmel.

Heutige Leser alttestamentlicher Texte spüren, wie wichtig dem Propheten die Erinnerung an die großen Taten des Himmelsherrn ist. Der Prophet Gottes rühmt dessen Gnade mit den Worten: „Ich will der Gnade des Herrn gedenken und der Ruhmestaten des Herrn und seiner großen Güte an dem Haus Israel, die er erwiesen hat nach seiner Barmherzigkeit und großen Gnade“(V.7). Die weitere Aussage über sein Volk klingt fast neutestamentlich: „ Darum ward er ihr Heiland“ (V.8). Dieser Heiland ist erfüllt mit dem heiligen Geist. Von dem ist hier dreimal die Rede  (V. 10.11.15). In seiner ganzen Fülle wird sich der heilige Geist erst Pfingsten zeigen. Da wird es zu einem Brausen vom Himmel kommen (Apg. 2,2). Aber bis dahin wird noch viel Zeit vergehen.

Jetzt ist erst einmal die Zeit der Gefangenschaft vorbei. Das Volk darf wieder heim. Die beschwerliche Reise ist zugleich ein geistlicher Vorgang sondergleichen. Es wird klar, warum Gottes Leute  heimkehren dürfen: „Er erlöste sie, weil er sie liebte“ (V.9). Das hätte doch für Israel ein Grund zur Freude sein können, ja hätte... Israel aber war widerspenstig und betrübte den heiligen Gott. Darum mahnt der Prophet, der vorigen Zeiten zu gedenken und nicht zu vergessen, was Gott getan hat.

Es ist nicht möglich, Erfahrungen jener Zeit einfach mit unserer Gegenwart zu vergleichen. Aber manches, was damals gedacht und gesagt wurde, kommt mir recht bekannt vor. Ich habe manchmal den Eindruck dass das  Geschichtsbewusstsein in unserem Volk – ähnlich wie damals bei den Israeliten - geschwunden ist. Sehr oberflächlich oder gar nicht wird m.E. der langen Friedenszeit und des demokratischen Aufbaus unseres Staates gedacht. Wer erinnert sich noch der großen Wende 1989, wer dankt für das wirtschaftliche Wohlergehen? Unzufriedenheit breitet sich aus. Es wird viel demonstriert und protestiert. Die Entwicklung der Bevölkerungszahlen und das Flüchtlingsproblem bereiten vielen Bürgern Sorge; ganz zu schweigen von außenpolitischen Problemen.

Wie der Prophet könnte ich manchmal rufen: „O Gott, so schaue nun vom Himmel, von deiner herrlichen Wohnung...“ Mit diesem Ausdruck ist „nicht eine mythische Behausung gemeint, sondern die ferne, hohe Majestät Gottes“ (C. Westermann). Immer schon haben sich Menschen bemüht, sich vorzustellen, wie Gott ist und  wo Gott ist. Den Begriff“ Wohnung“ versteht ja wohl jeder. Jesus spricht auch davon. Er sagt sogar, dass es im Hause seines Vaters viele Wohnungen gäbe (Johannes 14). Jesus hält für alle, die ihm im Glauben verbunden sind, eine Wohnung bereit. Welch ein herrlicher Trost für Sterbende. Meine Frau, die vor einigen Wochen starb, war ganz fest davon überzeugt, dass sie in diese Wohnungen eintreten würde, sobald ihr Herz aufhören würde zu schlagen..

Aus dieser himmlischen Welt, so bittet der Prophet, solle Gott auf die Menschen schauen. Das ist auch meine Bitte: Schau , lieber Herr, auf diese Erde. Greife ein. Hilf! Errette! Nimm Kriegern, Terroristen und Unruhestiftern die Waffen aus der Hand. Mit unfertigen Worten nahen wir uns Dir und bitten: Zeige Deine Herrschaft, erweise Deine Macht.

Unserem Vers folgt eine wunderbare Aussage über den Herrn des Himmels: „Bist Du doch unser Vater, unser Erlöser…(V.18). „Nirgends im Alten Testament beruft sich der Beter so stark auf Gottes Vaterverhältnis zu Israel wie hier“  (H. Brandenburg). Wir wissen dass diese väterliche Barmherzigkeit nicht nur Israel zuteil wird, sondern auch uns, den Christusleuten. Unser Herr hat uns erklärt, wie man den Herrn des Himmels anspricht, bevor man zu ihm betet, nämlich mit den Worten  „Unser Vater“. Das ist doch ein wunderbarer Tagesanfang: „Vater unser, schau doch vom Himmel und sieh herab aus deiner heiligen, herrlichen Wohnung.“

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