/ Wort zum Tag

Kein Betriebsunfall Gottes

Bernhard Scharrer über Jesaja 53,5.

Bibelvers

Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.

Jesaja 53,5

Das war mir äußerst peinlich! Gerade hatte ich einen Anruf bekommen. Jemand fragte nach, ob es mir gut gehe oder ob mir etwas zugestoßen sei. Etwas irritiert antwortete ich, dass bei mir alles in Ordnung ist. Mein Gesprächspartner erklärte, dass er und der Mitarbeiterkreis sich Sorgen gemacht haben, weil ich am Vorabend nicht zur Arbeitskreissitzung gekommen war. Da erfasste mich ein großer Schreck. Ich schlug meinen Terminkalender auf. Tatsächlich, da steht die Sitzung drin. Aber aus einem unerfindlichen Grund hatte ich sie übersehen und war nicht zu der weit entfernten Kirchengemeinde gefahren, um die Mitarbeiter bei der Vorbereitung für die geplante Evangelisationsveranstaltung zu beraten und anzuleiten. Die Arbeitsgruppe wartete an jenem Abend vergebens auf mich. Durch mein Missgeschick hatten sie ihre Zeit unnötig vertan. Einer von ihnen wurde auf der Heimfahrt sogar in einen Unfall verwickelt, der sich so wahrscheinlich nicht ereignet hätte, wenn ich ordnungsgemäß zur Sitzung gekommen wäre. Wie eingangs gesagt, die Sache war mir äußerst peinlich.

Und nun lese ich im Jesajabuch: „Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.“ (Jesaja 53,5). Der Prophet Jesaja sagt, dass es jemand gibt, der durch die Verfehlungen der Menschen schrecklich leiden muss. Dies ist zweifelsfrei eine prophetische Aussage auf den Messias, Jesus Christus. Aber anders als bei meinem Missgeschick mit der vergessenen Sitzung, kam Jesus nicht zufällig zu Schaden. Vielmehr hat er die Erniedrigung, das Leiden und Sterben mit Absicht auf sich genommen. Ja, es war die Absicht Gottes, des Vaters, seinen Sohn in die Welt zu senden. Und Jesus, der Sohn Gottes hat dieser Absicht zugestimmt und ist diesen Weg gegangen. Es lag in der Absicht Gottes, für die Menschen einen Ausweg aus dem Dilemma ihrer Schuld und Sünde zu ermöglichen.

Jesus, der Sohn Gottes, hat also wegen meiner Missetaten und Sünden so viel leiden müssen? Ja und Nein. Nein, weil es für ihn nicht unausweichlich war. Ja, weil nur das der Weg war, durch den die Versöhnung der Menschen mit ihrem Schöpfer möglich ist.

Es widerstrebt dem menschlichen Empfinden, dass ein Unschuldiger wegen der Schuld anderer so entsetzlich leiden soll. Aber so ist es. Jesus hat den Plan des Vaters akzeptiert und ist selbst und freiwillig diesen Weg gegangen. „Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz (Phil. 2,8). Nicht, dass ihm das Spaß gemacht hätte. Da Jesus die menschliche Natur angenommen hatte war er auch angefochten und musste sich immer wieder zum Gehorsam durchringen. Das wird auch in seinem Gebet im Garten Gethsemane deutlich. Im Evangelium heißt es: „ Jesus fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ (Matthäus 26, 39) Und der Schreiber des Hebräerbriefes bezeugt: „So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt.“ (Hebr. 5, 8)

Ja, dass Jesus um der Sünde und Missetaten der Menschen willen leiden und sterben musste, war kein Betriebsunfall Gottes. Es ist die Erfüllung des Planes, den Gott der Vater hatte, damit allen Menschen das Heil angeboten werden kann.

Die Frage ist also nicht mehr, ob Menschen mit Gott ins Reine kommen können, sondern ob sie den Weg dazu akzeptieren und im Glauben annehmen, denn: „Jesus ist um unserer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.“


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